Briefe
An alte Bekannte
von Peter Schreiber im Sommer 2008, Schriftwechsel. Auszüge.
Hallo R., Hallo N.!
...
Eins möchte ich aber sagen, nur ein einziges mal und ohne eine Diskussion entfachen zu wollen (wenn ja: Gerne): ein kleiner Fehler, der korrigiert werden will; eine Ungenauigkeit, eine
Winzigkeit, die beim leisesten Versuch einer Korrektur schnell in Ablehnung umschlägt. Trotzdem:
Es ist der Satz: „Wir werden Atheisten bleiben...“ Das habe ich mir übersetzt in: „Wir möchten Atheisten bleiben“ bzw. „mit unserem heutigen Wissensstand wird sich da nichts
ändern...“ Alles ok. Aber was sein wird, weiß man nicht, und das liegt nicht in unserer Macht. Wer könnte das besser verstehen als ich, der ja Atheist war und keinerlei religiöse Erziehung hatte.
Es kann etwas geschehen was das Alte zusammenbrechen, als Irrtümer zerbröseln lässt. Das kann ein Erlebnis sein wie auch ein Gespräch ganz anderer Natur, voller logischer Fragen und Hinweise; es
kann plötzlich sein oder Schritt für Schritt sein; wir habe keinen Einfluss darauf. Und ich weiß, wieviel Anti-Gedanken es gibt.
- die haben doch nur Angst vorm Tod (gibts leider);
- die brauchen religiöse Gefühle (gibts leider auch);
- die flüchten sich in eine andere Welt (gibts leider);
- die wissen nicht, wovon sie reden (gibts leider);
- die Bibel ist voller Widersprüche (klar, wenn man sie nicht liest);
- Warum würde wenn es einen Gott gäbe, er das alles Leid zulassen (Antworten parat, bevor man sucht. Und
impliziert, dass das Leid ohne Gott ok. geht);
- Ich glaube nur an Sachen die ich sehe (Klar, dann aber schnell den Fernseher raus, die Bilder und Wörter fliegen nämlich unsichtbar durch die Luft, vom
Fernsehturm, oder kriechen durch Drähte...! und Gefühle und sowas sind auch recht unsichtbar; woher eigentlich dieses Vertrauen auf unsere Augen?);
- die wollen nur an mein Geld ran (klar, das bietet sich an, wenn einer wirklich so blöd ist und nicht merkt, dass das keine Christen sind);
- die (Kirchen) haben ja selber Krieg gemacht (klar, wie in allen Ideologien gibts die Anderen, die falschliegen, z.B. echter Kommunismus ist nicht deshalb
Unsinn, weil andere Leute den Gedanken daran kaputtgemacht haben, auch der Eurokommunismus ist nur ein Abklatsch, ein Dummschatten der wirklichen Idee);
- wenn es Gott gäbe, soll der Geld runterschmeissen (die unernste Schiene);
- Jesus hat es garnicht gegeben (darüber sind wir doch historisch hinweg [?] zu viele Quellen, auch römische [also ganz sichere!);
- Die Evolutionstheorie ist das einzig richtige (Ja wirklich, auch nach einer langen und ernsthaften Diskussion? Außerdem ist das ja auch „ein Glauben“!
-Nein? Es gibt doch die Knochenfunde... Liebe Leute, wenn ihr wüsstet, was auf diesem Gebiet los ist);
- Ich mag es nicht, wenn man mich bekehren will (Klar mag ich das nicht, aber
ist es nicht seltsam, dass man für alles immer Zeit hatte und nur hierfür nie. Wenns Unsinn ist, merkt man das doch und kann es ad acta legen. Wenn es aber
doch wahr wäre...
Kann es denn sein, dass es Gott gibt? Vielleicht hasst er die Gleichgültigen, besonders die Nichtfragenden, Nichtsuchenden?);
- Wenn es Gott gäbe, würde ich das ja nach dem Tod schon früh genug sehen (Vielleicht wollte uns Gott aber vorher was entscheidendes gesagt haben...);
- Ich habe keine Zeit für solche Märchen (ist nicht unsere Existenz ohne schöpferische Ursache nicht mindestens genauso unsinnig? [Ich rede das so nur als
Vergleich; ich war ja Atheist]
Die Entstehung des Lebens, des Denkens -der Hochintelligenz- der Gefühle -weinen/lachen/lieben/hassen/Trauer/Glück- aus Materie, und wenn, wie ging es denn weiter nach der „Bildung der
Desoxyribonukleinsäure“, von „allein“, nach einem „Gesetz“, das keine Logik kennt? Kein Ziel, keine Triebfeder; entsteht das Schloß und der Schlüssel? Ist das nicht genauso ein Märchen? Sollte es
nicht eigentlich fifty-fifty stehen für den Anfang?
Nur dies eine Mal hätte ich gern gesagt: Offenbleiben; Falschgeld nicht als Beweis sehen, dass es kein Geld gibt.
Ja mit dem „Überstülpen“ des Glaubens und der Ideologien. Das stimmt; das ist das Schlimmste und böseste was es gibt und wurde und wird immer wieder gemacht. Dahinter stehen immer andere,
unehrliche Motive (wenn man nicht an negative Kräfte glaubt, muß man es wohl so ausdrücken). Leider ist dadurch viel Blut vergossen worden, auch im Namen der Religion, aber nicht - das sage ich
mal so in den Raum - im Auftrag von Jesus. Ich hatte als junger Mann in meiner Nachdenkphase (um 1979/80) ein Problem. Nämlich was wäre denn, wenn ich an Gott glauben würde, und mich an die
Bibel halten würde und ich dann sterbe und dann Allah vor mir steht und sagt: Weg mit diesem Übeltäter, die Bibel war ein Lügenbuch, du hättest an Mohammed glauben sollen, in die Hölle mit dir /
oder:
ich glaube an den Koran:
und dann kommt es wieder genau umgekehrt... Auch nicht besser. Oder?
Und jeder will jedem seine „Erkenntnis“ aufpressen, eben überstülpen. Schwierige Sache und undienlich für den, der wirklich nur mal sagen will: Gott kann man suchen und das bedeutet nicht:
„einfach nur in uns“ und solche Sprüche...
Seltsam ist doch, dass wir in science fiction Filmen viel offener sind für andere Realitäten. Aber ein lustiges Spiel habe ich erfunden: Ein Kreis von Atheisten macht einen gemütlichen Abend und
diskutiert darüber, was ganz exakt, mit Datum und Uhr-Zeit, von einer gedachten Videokamera aufgenommen worden wäre, wenn diese seit 1 Milliarde Jahren wie ein Satellit die Entwicklung lückenlos
gefilmt hätte. Da muß man nämlich diese Lehre von Millionen und Abermillionen Jahren plötzlich mit Inhalten kurzzeitlicher Maße füllen (Fisch kommt aus Wasser..., wann, wieviel, mit Füßen oder
ohne, Männchen und Weibchen, wievielter Versuch, warum, ).
Ok. das waren nur Gedanken, die bedürfen keiner Reaktion, das ist ja klar...
[Schlussworte etc. und Grüße]
Tags: alte Bekannte, Atheisten, Gott, Evolutionstheorie, Peter Schreiber


