Briefe
An Markus
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Lieber Markus [Name geändert], ich hab dir heute einfach mal einen anderen Namen verplettet. Das ist sicher nicht schlimm. (Der Grund dafür: hier klicken)
Ich freue mich, dass du Fragen stellst und auch einer eventuellen geistigen Konfrontation nicht ausweichst. Du hast mir ein paar scheinbar kleine Fragen gestellt und da ich grundsätzlich auf weltanschauliche Dinge gern antworte, möchte ich das hier versuchen.
Wir haben uns über 30 Jahre nicht gesehen und haben auch früher in der DDR einen nur bekanntschaftsmäßigen Kontakt gehabt. Da es sehr wahrscheinlich ist, bei Menschen die man nicht so gut kennt, eine Kette von Missverständnissen auszulösen, ist ein Brief immer eine schwierige Sache; es fehlt die Option des sofortigen "Wieso?", "Wenn" und "Aber" und lässt persönliche Be- und Empfindlichkeiten außer acht. Ich freue mich, dass du das kürzlich genau so gedacht hast (O-Ton: "...man muss immer erst eine Person die man nicht kennt, psychologisch ausloten"). Du verstehst also sicher sehr gut, was ich meine. Es gibt nichts schwierigeres als zwischenmenschliche Kommunikation. Jeder einzelne Mensch ist ja ein Sammelsurium von Wissen und Pseudowissen, Offenheit oder Introvertiertheit, Klugheit oder Neunmalklugkeit. Er weiß etwas besser oder ist ein Besserwisser, er will immer Rechthaben oder ist bereit, dazuzulernen, er ist ein Kämpfer oder ein Hasenfuß, er ist klug zurückhaltend oder feige untertänig, er ist charakterlich wechselhaft oder gleichförmig und am allermeisten parteiisch statt parteilich. Wie soll man da nicht in ein Wespennest stechen, wie nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste treten, wie nicht anecken?
Alle diese Gedanken setze ich bei dir -lieber Markus- voraus; du bist ein studierter Mann, akademisch gut bewandert, hast im Leben viel erlebt. Warst Führungskraft. Auch du hast erfahren, wie es mit Freundschaft und Liebe aussieht auf unserer schönen Erde, auch du weißt, wie schwer es ist und wieviel Jahre es dauern kann, aufzubauen; aber wie wenige Sekunden es braucht, all dies zu zerstören.
Ich möchte dir daher hiermit versichern, dass du in keiner Phase unserer Kommunikation auch nur eine Sekunde lang Bedenken zu haben brauchst, etwas so zu sagen, wie du es meinst. Vielleicht hast du zufällig meinen "zweiten Vornamen" auf der folgenden Seite der Homepage peterschreiber-web.de entdeckt (Er lautet: Es gibt nichts, was man nicht klären könnte).
Du hast mir geschrieben:
Erklär mir bitte deine Aversion gegen die Katholische Kirche.
Was willst du den Millionen Anhängern dieser Religion entgegensetzen?
Lehnst du dich da nicht ein bisschen weit aus dem Fenster?
Meinst du nicht, dass du dich mit der katholischen Kirche zu heftig anlegst?? Da kommt wahrscheinlich wieder der alte Peter durch. Ich habe mir fast alles mal durchgelesen, was du geschrieben hast. Manche Gedanken kann ich unterstützen, manche Dinge die du schreibst sind aber einfach historisch falsch. Da müsstest du noch mal nacharbeiten. Ansonsten ist das nach meinem Befinden die Web-Site einer Sekte.
Und mit einem fröhlichen Zwinkern setzt du hintan:
Bist du der neue Guru? Versteh' mich bitte nicht falsch...
Du bist intelligent genug zu wissen, welches Konglomerat an Gedanken hier verborgen ist und wie schnell man hier einen irgendgearteten Antwortteil als "Widerspruch" ansehen kann.
Zuerst mal über den "Alten Peter". Ja, das hast du gut gesehen, und ich weiß schon immer, wie schnell dieser Gedanke im Raum steht. Dennoch bist du der erste, der ihn ausspricht. Du kennst mich von früher und weißt so einiges. Dass ich in der DDR queruliert habe, müsstest du ja auch wissen, genau so, dass ich einige Zeit in DDR-Haft gewesen bin. Da könnte man schnell denken, dass das ein Charakterzug sein könnte, ein Feindbild zu suchen (zu brauchen?), egal was für eins! Hauptsache Opposition. Gegen etwas sein. (Wie leicht [!] denn Fehler findet man ja überall leicht).
Nur ganz kurz: Du siehst das schon richtig; nur, dass in meiner Arbeit eigentlicht nicht "der alte Peter" zum Vorschein kommt, sondern es gibt in dieser hinsicht keinen "alten" und keinen "neuen" Peter!
Ich habe gelernt, ich habe Seiten gewechselt, ich habe verworfen und neu bedacht, aber ich bin der Alte. Ich hoffe aber, dass ich mich etwas zum Guten entwickelt habe ... die Unreife etwas gewichen ist ... die Menschen besser kenne ...
Deine Ansichten oder Fragen zu meiner Haltung gegenüber der katholischen Kirche, das Wirken meiner Homepage (bibepoint.de) auf dich als "Web-Site einer Sekte" sowie dein Vorhalt historisch verkehrter Dinge (leider hattest du keine Zeit ein Beispiel zu nennen) möchte ich gern etwas ausleuchten.
Du weißt bzw. siehst ja, dass ich an Gott glaube. Im Gegenteil zu früher, denn bis 1982/83 war ich ja Atheist.
Der Glaube an einen (Schöpfer-) Gott ist von allen geistigen Differenzen die größte, die schwierigste und die komplexeste.
Aus dieser Differenz erwachsen alle grundlegenden Meinungsverschiedenheiten, deren Klärung sich infolgedessen als Unmöglichkeit erweist. Unmöglich insofern, wenn die Existenz bzw. Nichtexistenz
Gottes tiefergehende Denkkonsequenzen nach sich zieht (z.B. die Erstellung von privaten und gesellschaftlichen Lebensregeln).
Keine der von dir gestellten Fragen lässt sich aus diesem Kontext herauslösen. Allein dies kann der erste Problempunkt sein, denn du hast ja aus deiner Sicht nur zwei, drei Fragen gestellt und keinesfalls einen weltanschaulichen Vortrag bestellt.
Es ist aber so wie es ist und schon Goethe hat daraufhingewiesen, dass alles was auf dieser Welt geschieht, nur in Zusammenhang verstanden werden kann mit der Gottesfrage.
Ich möchte deshalb etwas über die Existenz Gottes sagen.
Seit der Atheismus sich ausgebreitet hat, denken die meisten modernen Menschen so:
Menschen, die "an einen Gott glauben" haben eigentlich "Angst vor dem Tod" (eigentlich: "Vor 'm Sterben"); suchen psychologischen Trost in einer Art "Glauben"; eigentlich egal, wie der strukturiert ist [hauptsache es hilft!!];
sind gegenüber Erkenntnissen verschlossen (borniert, vernebelt, Brett vorm Kopp); haben so eine Art "Streitsucht", was sie dann "Theologie" nennen usw. usf.
Diesen Gedanken habe ich vor Monaten auf der Seite "An alte Bekannte" schon kurz aufgegriffen; Markus, sei doch so nett, das bitte hier einfügend zu lesen.
Der Nichtgläubige ist also zunächst darauf konditioniert, dass Gläubige es gern flach und leicht verständlich haben. Daraus folgert er, dass der "Glaube" seine wirklichen Wurzeln darin hat, wo Dinge auf dieser Welt bzw. im Universum (z.B. am Firmament) ihm unverständlich sind.
Das heißt, der Gläubige stellt eine Art "Depp" dar, der mangels Erklärungen sein Weltbild mit einem Gott ausschmückt, um irgendwie für alles hier und heute eine "Erklärung" zu haben. Da er weder Geduld noch Verstand hat, andere Optionen einzubeziehen, die vielleicht erst seine Nachfahren finden werden. Oder dies vorspielt, da Religion Macht und Geld einbringen kann, wenn man das Volk nur recht ordentlich unwissend lässt. (Religion als "Opium fürs Volk", aber ein Volk, das sich daher noch besser als Melkkuh missbrauchen lässt.)
Durch diese klassische Sicht ist es dem Nichtgläubigen zunächst sehr schwer zu akzeptieren, dass Gläubige genau dies alles auch wissen und durchdacht haben. Und dass der Glauben tiefergehenden, in die Fragen der Ursächlichkeit aller Dinge hineinreichenden Charakter hat.


