Briefe
An Markus (2)
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Nun entsteht ein geistiges Tohowabohu, das von unzähligen Milliarden Reden und Gegenreden geprägt ist, in dem Berufene wie Unberufene ihren Quirl dazugeben; ein Theater, vom dem man den Eindruck gewinnen muss, dass nicht nur der Gläubige am liebsten alle Welt bekehren möchte, sondern auch im Gegenteil der Ungläubige in einer Art unbändiger Diskussionswut möchte, dass die Gläubigen von ihrem Irrtum endlich Abstand nehmen.
Nun werden alle Lügen und Tricks in die Waagschale geworfen, die denkbar sind. Bis hin zu flachsten erfundenen Behauptungen, z.B. die Kirche hätte früher die Meinung vertreten, dass die Erde eine Scheibe ist...
Man würde in hundert Jahren nicht fertig sein, wollte man alle sinnigen und unsinnigen Argumente nebeneinanderstellen und mit Anmerkungen versehen. Dennoch möchte ich ein paar wenige anreißen:
Eine Lieblingsschiene von Atheisten ist es, die Existenz Gottes nicht von einer metaphysischen Option abhängig zu machen, sondern von "Wenn - Dann" - Vergleichen. "Wenn es Gott geben würde, dann wäre ja..."; "...dann gäbs ja nicht..."; "...da wär ja alles ganz anders.." usw.
Ein ehrlicher Mensch, der nicht an Gott glaubt, wird solche Argumente nicht anwenden.
Markus, es hat keinen Sinn und es ist auch nicht die Absicht dieses Briefes, über die Existenz Gottes zu philosophieren. Jeder Mensch hat seinen eigenen Lebensweg und wird -wenn es denn Gott gibt- vom ihm mehr als einmal mit der Nase auf diese ganzen Fragen gestoßen.
Ich denke hier besonders an die Bibel, Hiob 33
14Denn in einer Weise redet Gott und wieder in einer anderen, nur achtet man's nicht. 15Im Traum, im Nachtgesicht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, wenn sie schlafen auf dem Bette, 16da öffnet er das Ohr der Leute und schreckt sie und züchtigt sie, und öffnet ihnen das Ohr zur Erziehung und sagt ihnen, daß sie sich von dem Unrechten bekehren sollen. Ich lobe den HERRN, der mir geraten hat; auch züchtigen mich meine Nieren des Nachts. 17daß er den Menschen von seinem Vorhaben wende und behüte ihn vor Hochmut 18und verschone seine Seele vor dem Verderben und sein Leben, daß es nicht ins Schwert falle.. Ehe ich gedemütigt ward, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort. Es ist mir lieb, daß du mich gedemütigt hast, daß ich deine Rechte lerne; 19Auch straft er ihn mit Schmerzen auf seinem Bette und alle seinen Gebeine heftig 20und richtet ihm sein Leben so zu, daß ihm vor seiner Speise ekelt, und seine Seele, daß sie nicht Lust zu essen hat. 21Sein Fleisch verschwindet, daß man's nimmer sehen kann; und seine Gebeine werden zerschlagen, daß man sie nicht gerne ansieht, 22daß seine Seele naht zum Verderben und sein Leben zu den Toten. ... 29Siehe, das alles tut Gott zwei- oder dreimal mit einem jeglichen, 30daß er seine Seele zurückhole aus dem Verderben und erleuchte ihn mit dem Licht der Lebendigen.
So sehr der Vorwurf an den Gläubigen gerichtet wird, er glaube an eine selbstgebastelte Fatamorgana, muss auch der Nichtgläubige gefragt werden, wieso er der Option der Gottesexistenz so parteiisch entgegendiskutiert.
Es müsste für ihn eine exakte 50 zu 50 Abwägung ergeben, denn dass es einen Gott gibt ist ja genau so ein Märchen (für ihn) wie, dass die Welt mit allem Leben von allein entstanden sein soll. Eine dritte Möglichkeit gibt es aber nicht.
Und das ist der Punkt. Hier, wo geistige Ruhe sein sollte, herrscht Zerren und Bissigkeit. Warum nicht einmal annehmen, dass das metaphysische Gründe hat?
Ich möchte hier einmal auf das Flugblatt Nr. 4 der Geschwister Scholl hinweisen:
Jedes Wort, das aus Hitlers Munde kommt, ist Lüge. Wenn er Frieden sagt, meint er den Krieg, und wenn er in frevelhaftester Weise den Namen des Allmächtigen nennt, meint er die Macht des Bösen, den gefallenen Engel, den Satan. Sein Mund ist der stinkende Rachen der Hölle, und seine Macht ist im Grunde verworfen. Wohl muß man mit rationalen Mitteln den Kampf wider den nationalsozialistischen Terrorstaat führen; wer aber heute noch an der realen Existenz der dämonischen Mächte zweifelt, hat den metaphysischen Hintergrund dieses Krieges bei weitem nicht begriffen. Hinter dem Konkreten, hinter dem sinnlich wahrnehmbaren, hinter allen sachlichen, logischen Überlegungen steht das Irrationale, d. i. der Kampf wider den Dämon, wider den Boten des Antichrists. Überall und zu allen Zeiten haben die Dämonen im Dunkeln gelauert auf die Stunde, da der Mensch schwach wird, da er seine ihm von Gott auf Freiheit gegründete Stellung im ordo eigenmächtig verläßt, da er dem Druck des Bösen nachgibt, sich von den Mächten höherer Ordnung loslöst und so, nachdem er den ersten Schritt freiwillig getan, zum zweiten und dritten und immer mehr getrieben wird mit rasend steigender Geschwindigkeit - überall und zu allen Zeiten der höchsten Not sind Menschen aufgestanden, Propheten, Heilige, die ihre Freiheit gewahrt hatten, die auf den Einzigen Gott hinwiesen und mit seiner Hilfe das Volk zur Umkehr mahnten. Wohl ist der Mensch frei, aber er ist wehrlos wider das Böse ohne den wahren Gott, er ist wie ein Schiff ohne Ruder, dem Sturme preisgegeben, wie ein Säugling ohne Mutter, wie eine Wolke, die sich auflöst. (...)
So manchem Weltverbesserer wird dieses Flugblatt sauer aufstoßen, wenn er bedenkt, wie oft die Geschwister Scholl (Weiße Rose) für sozialrevolutionäre Ideen herhalten mussten, die jegliche metaphysischen Hintergründe leugnen!
Jeder Mensch wird selbst entscheiden, ob er einfach auf den Tod wartet (er denkt: "Dann sehen wir ja..."), oder ob er in seinem Leben einmal mit diesem Thema ernst macht. Für alles andere hatte man ja auch Zeit. Siehe auch:
- Einen Anfang finden oder auch nicht zuletzt
Markus, wir sind gewöhnt immer und über alles witzig zu sein, stimmts?
Aber wenn wir nachts im Wald den Lauf einer Pistole an der Schläfe spüren und ein Klicken hören, könnte schon der Gedanke sein: Gott, wenn es dich geben sollte, so hilf mir hier raus... (dazu auch: Gott im Fernsehfilm)
Jeder hat imgrunde nur ein irdisches Leben. Jesus von Nazareth hat uns vor 2000 Jahren vor die Wahl gestellt und uns vor den Lügen dieser Welt gewarnt.
Lieber Markus, ich gehe davon aus, dass du noch nie im Stillen zu Gott gebetet hast. Ich kann es nur empfehlen, denn Verwerfen kann man ja immer noch, danach.
Du wirst es nicht wissen, aber ich bin seit vielen Jahren Turnierschachspieler. Schach ist für Vereinsspieler nicht einfach ein Spiel, so wie es uns Opa oder ein Freund beigebracht hat. Es ist ein Studium. Es gibt eine Hohe Schule darin, wie auch in anderen Dingen des Lebens.
Weißt du wie man sich fühlt, wenn Leute, die noch nie länger als 5 Minuten über Schach nachgedacht haben, in einem Schachverein aufkreuzen würden und dort kleinquadrierte Bemerkungen und ironische Kommentare zu Zügen machen würden?
Sie meinen es nicht mal bös', denn sie wissen nichts über die normale Tiefe eines Schachstudiums, selbst Damespielen (Brett: 10x10) ist eine Kunst, die auch in Weltmeisterschaften ausgeführt wird.
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