Briefe

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An Peter Misch 3

Peter Schreiber

Köln, 09.11.2005

 

Hallo Peter M.,

zunächst Grüße im Herrn, Jesus Christus. Vielen Dank für die inhaltsreichen Stunden am Sonntag. Mir ist dabei etwas klargeworden. Ich möchte das gern darlegen...Ich erwarte hierauf keine Antwort. Es kann so im Raum schwebenbleiben. Es ist scheinbar viel, da ich die Bibelstellen zur schnelleren Prüfung mit dazugebe, ohne Wert auf die Übersetzungsaus­wahl zu legen (immer Einheitsübersetzung). Die Möglichkeit, dass der ganze Brief - warum auch immer - an keiner Stelle greift, nehme ich gern inkauf. Ich setze Glauben und Akzeptanz der Wahrheit als Selbstverständlichkeit voraus.

Wenn die Lehrer, an die du glaubst, fast alles durch die Vollmacht des Hl. Geistes verändern durften und dürfen, dann ist mein Brief allerdings vergebens, da kein Argument greifen kann.

Du weißt aber, dass ja dann jeder Angriff auf die Wahrheit in ebendiesem Gewand einhergeht. Daher stellst du zuallererst die Frage nach der Vollmacht. Du glaubst -sicherheitshalber (?)-, dass eine (kleine) Gruppe von Verantwort­lichen eine solche Vollmacht hat und sich Vollmacht -von Gott so gewollt- durch Handauflegung jeweils an den oder die Nachfolger weiterleitet. Ergebnis: Kirchenleitung und Kirchenvolk, wobei Leitung auch Besitz dieser „Vollmacht" bedeutet. Lässt sich nun eine lückenlose Kette bis Petrus zurückverfolgen (oder zurückbasteln, oder -unter Missachtung biblischer Kritik- Häretiker als „bevollmächtigt" akzeptierend als Papst sehen), ist der Fall ganz einfach: Hier ist die Kirche und dort die Irrlehrer. Das ist natürlich eine schlichte Ansicht über das Wirken des Widersachers. Nun gut. Dass gerade die Kombination dieser beiden Punkte (Veränderbarkeit der Gebote und Vollmachtakzeptanz jeden Eindringlings in die Ur-Kirche, wenn er nur mittels weltlicher Gewalt mit Hilfe des Kaisers bzw. der Justiz die Gemeinde als „sein" deklarieren kann) vom Satan stammt, wird ja einem Anhänger dieser Kirche schlecht zu vermitteln sein.

Viele Menschen denken, Zauberei sei etwas wie im Märchen. Da regnet es Gold, da werden Geldsäckel nicht leer, da wird aus Wasser Wein (letzteres: „Die Goldene Gans"). Als ich einen Prediger fragte, wieso die Juden Jesus nicht wegen Zauberei anklagten (Wasser zu Wein), da auf Zauberei die Todesstrafe stand, wusste er keine Antwort. Dieselben Leute glauben auch, dass die Wunder des Teufels ebensolche sein können wie die des Hl. Geistes. So könnten falsche Propheten die Christen verführen. Woran man denn nun erkennen könne, wer denn dann von Gott sei, heißt es dann, wenn die Wunder von Gott sind, merke man das dann schon (durch den Hl. Geist). Diese Haltung führt übrigens zum Hass aller Menschen und „Christen" gegen die zwei Propheten, die kommen werden. Analog zu diesem Beispiel gibt es eben die Irrlehre, Wahrheit und Irrlehre könne sozusagen im identischen Kleid daherkommen und deshalb brauchte die Kirche sozusagen „Wunder-Inspirierte" a) zum Verständis einfachster Zusammenhänge und b) zur Relativierung des feststehenden Wortes.

Ich weiß: In der Gemeinde gibt es : Apostel, Lehrer, Bischöfe, Wundertäter usw.

So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede. (1.Korinter 12, 28 )

Der Grund hierfür liegt aber in Gottes Willen begründet, eine Gemeinde-"Ordnung" zu haben und weil nicht jeder jede Gabe haben kann. Grundsätzlich muss diese Gemeindeordnung unter der Lehre Petri aus Apostelgeschichte 2 verstanden werden. Als nämlich der heilige Geist ausgegossen wurde, waren viele erstaunt, aber etliche waren spöttisch, die Jünger hätten -zu viel- Wein getrunken. Petrus antwortete darauf:

In den letzten Tagen wird es geschehen, so spricht Gott: Ich werde von meinem Geist ausgießen / über alles Fleisch. Eure Söhne und eure Töchter werden Propheten sein, eure jungen Männer werden Visio­nen haben, und eure Alten werden Träume haben. Auch über meine Knechte und Mägde werde ich von meinem Geist ausgießen in jenen Tagen und sie werden Propheten sein. (Apostelg. 2, 15 ff.)

Ja, der Prophet Joel hatte das genau so prophezeit und Petrus bezieht den Text auf die gerade stattgefundene Ausgießung des heiligen Geistes. Diese Ausgießung auf beide Geschlechter jeden Alters ist also vorhergesagt und somit schriftkonform. Petrus zieht dann auf die Frage „Was sollen wir tun" als Gesamtresümee:

Petrus antwortete ihnen: Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden; dann werdet ihr die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. (Apostg. 2,38)

Er sagt also: „Dann werdet ihr die Gabe des heiligen Geistes empfangen"! Die Gabe des heiligen Geistes ist also nicht ein Privileg einiger, sondern eine Verheißung an alle, die sich unter den hier genannten Bedingungen taufen lassen (na­türlich unter Beachtung der Tauflehre). Ein Privileg kann höchstens eine bestimmte Gabe sein. Die „Gabe" aus Apostg. 2,28 ist jedoch als „Begabung", „Talentierung" zusehen. Die „Gaben" aus Korintherbrief sind bestimmte „Geschenke" des Geistes Gottes.

Der hier dargelegte Umstand ist ja auch der Grund der Brudergleichheit im Geist und der damit verbundenen Rechte in der Gemeinde, hierzu 1 .Korinther:

Was soll also geschehen, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen und ein anderer deutet es. Alles geschehe so, dass es aufbaut. (Vers 26) und:

Auch zwei oder drei Propheten sollen zu Wort kommen; die anderen (!) sollen urteilen. (Vers 29) und:

Wenn aber einem andern Anwesenden eine Offenbarung zuteil wird, soll der erste schweigen; (Vers 30) und:

einer nach dem andern könnt ihr alle (!) prophetisch reden. So lernen alle etwas und alle werden ermutigt. (Vers 31)

Im Prinzip sind alle Anwesenden geisterfüllt („lasse sich ein jeglicher taufen, aufdass ihr empfanget...) und unter dieser Maßgabe steht hier der Korintherbrief.

Dies seht in absoluter Übereinstimmung der Ankündigung Jeremias, der auf den neuen Bund hinweist:

Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es in ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!. sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen - Spruch des Herrn. (Jeremia 31, 33+34)

Keiner wird mehr den anderen belehren! Das heißt also, ein Lehrer in der Gemeinde lehrt nicht, als ginge es um zu lernende Strukturen einer unbekannten Sache, sondern er hat die Gabe, den anderen die Lehre zu verdeutlichen. Prüfen müssen immer die Hörer! (gemäß: Meine Schafe hören meine Stimme) Was in mein Herz gelegt wurde (Gesetz ins Herz geschrieben), erkenne ich in der Lehre wieder!

Nur so ist zu verstehen, wieso die Schrift dies in Hebräer 8, 10 ff. und 10, 16 wörtlich zitiert und es auf die Gemeinde Jesu bezieht (neuer Bund).

Petrus selbst ist es, der das bestätigt:

Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um

durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. (1. Petrusbrief 2,5)

und:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. (1.Petrusbrief 2,9) und stimmt somit mit Offenbarung 1,6

er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht in alle Ewigkeit. Amen. und Offenbarung 5, 9b u.10

und hast mit deinem Blut / Menschen für Gott erworben / aus allen Stämmen und Sprachen, / aus allen Nationen und Völkern

und du hast sie für unsern Gott/zu Königen und Priestern gemacht;

Wenn also die Schrift Könige und Priester nennt, die gläubig geworden sind, gibt es keine Sondergruppe von „Wahrheitsträgern". Dem stimmt der Apostel Paulus ja auch zu, indem er sagt:

Epheserbrief 3, 14-18

Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, nach dessen Namen jedes Geschlecht im Himmel und auf der Erde benannt wird, und bitte, er möge euch aufgrund des Reichtums seiner Herrlichkeit schenken, dass ihr in eurem Innern durch seinen Geist an Kraft und Stärke zunehmt. Durch den Glauben wohne Christus in eurem Herzen. In der Liebe verwurzelt und auf sie gegründet,

sollt ihr zusammen mit allen Heiligen dazu fähig sein, die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe zu ermessen

und die Liebe Christi zu verstehen, die alle Erkenntnis übersteigt. So werdet ihr mehr und mehr von der ganzen Fülle Gottes erfüllt.

Schauen wir doch mal, wer seine Knie vor dem Vater beugt! „Bleibet in meinem Wort" Johannes 8, 31

Wie die Schrift an allen Stellen redet, sind die „Heiligen" keine Sondergruppe, sondern alle Christen!

Denn die Hände werden ja auch allen aufgelegt. Dass es Irrlehrer gibt, liegt ja nicht an mangelndem Händeauflegen oder anderen fehlenden rituellen Handlungen. Das beste Beispiel ist der Jude Apollos:

Ein Jude namens Apollos kam nach Ephesus. Er stammte aus Alexandria, war redekundig und in der Schrift bewandert. Er war unterwiesen im Weg des Herrn. Er sprach mit glühendem Geist und trug die Lehre von Jesus genau vor; doch kannte er nur die Taufe des Johannes. Er begann, offen in der Synagoge zu sprechen. Priszilla und Aquila hörten ihn, nahmen ihn zu sich und legten ihm den Weg Gottes noch genauer dar. Als er nach Achaia gehen wollte, ermunterten ihn die Brüder dazu und schrieben den Jüngern, sie möchten ihn freundlich aufnehmen. Nach seiner Ankunft wurde er den Gläubigen durch die Gnade eine große Hilfe. (Apostelg. 18, 24ff)

Kannte Apollos nur die Taufe des Johannes, hatte er also den heiligen Geist noch nicht empfangen! Das belegt z.B. der folgende Abschnitt, der auch in der Apostelgeschichte fast unmittelbar folgt:

Während Apollos sich in Korinth aufhielt, durchwanderte Paulus das Hochland und kam nach Ephesus hinab. Er traf einige Jünger und fragte sie: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig wurdet? Sie antworteten ihm: Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Heiligen Geist gibt. Da fragte er: Mit welcher Taufe seid ihr denn getauft worden? Sie antworteten: Mit der Taufe des Johannes. Paulus sagte: Johannes hat mit der Taufe der Umkehr getauft und das Volk gelehrt, sie sollten an den glauben, der nach ihm komme: an Jesus. Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten. (Apostelg. 19, 1-6)

Wir sehen, dass das Fehlen des Händeauflegens nicht etwa Irrlehrerschaft hervorrief, es fehlte allerdings an genauerer Darlegung. Dieses "noch genauer" darf nicht umgedeutet werden in "anders "!

Alles in allem kannte die Urgemeinde keine „Pächter" der Wahrheit oder von wegweisenden Offenbarungen sondern war immer die „Gemeinschaft der Heiligen". Die Schaffung einer Sondergruppe von „Heiligen" und „Seligen" durch die römisch-katholische Kirche impliziert ja gerade das Gegenteil und schafft somit in unbiblischer Weise das Pendant des kirchlichen „Fußvolks" (die Kindertaufe ist ja ein perfektes Mittel zu dieser Denkweise). Wenn vor Konstantin die Formel galt „Herausgerufener gleich Christ" galt nun „Mensch gleich Christ", was zu dem hier kritisierten Abfall der von Gott gegebenen Gemeindeordnung führte. Die Urkirche kannte nur „Säulen des Glaubens" bzw. hohes Ansehen. (z.B. Petrus und Johannes)

Schlüssel der richtigen Weges bleibt daher unbedingt die Sicht der Wortstabilität!

Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Johannes 8,31

Nur in diesem Kontext lassen sich alle Dinge im heiligen Licht der Wahrheit klären und genau deshalb ist dieser Weg von allen Kirchen und Sekten so verhasst.

Es macht daher wenig Sinn, auf eine komplexe (!) allgemein anerkannte Lehre mit einem Halbargument zu antworten, z.B. beim Bilderverbot "Simulacrum könne auch Götzenbild heißen". Man muss die gesamte Schrift und Überlieferung sehen. Im Schach kann man immer besser werden und von den Großen lernen; aber die Regeln bleiben die Gleichen.

Wir brauchen im theologischen Bereich nicht zerreden, was allen andern als bewiesen gilt. Wer es ernst meint, wird meiner Meinung nach alles richtig prüfen, auch wenn es Mühe macht. Ich meine aber, „die Knie vor dem Vater beugen", macht nicht so viel Mühe. Nach der anderen Sicht hätten wir ja dann alle Irrlehren zu Lehren gemacht, Schwule als Kirchenmitglieder, Götzendiener als Lehrer, alles ausgehebelt und verdreht. Das sei aber ferne. Gottes Segen.

 

Tags: Vollmacht, Kirchenleitung, Wahrheit, Kindertaufe, Apostel, Lehrer, Bischöfe, Wundertäter, Papst, Häretiker