Kurzpredigten

Blandina

von Peter Schreiber (11.10.2008)

 

Ich kannte eine Familie. die wohnte in einem Hochhaus. Und weil so ein Hochhaus auch unsichere Faktoren haben kann, gab es da einen Pförtner, der filterte die Leute ein wenig aus, zumindesten wollte er bescheidwissen.
"Guten Tag, ich möchte zu Familie..."
"Da müssen´ Se mir schonn saren, in welchem Stock die wohn`n", schiesst es mir etwas zu befehlsbetont entgegen. "Isch kann Sie doch nicht einfach im Haus rumlaufen lassen".
Beim nächsten Besuch versuchte ich´s so: "Guten Tag, ich möchte gern in die 5. Etage...", weiter kam ich nicht, da peitsche mich die Forderung an: "Da müssen `Se mir schonn saren, wie Ihre Bekannten heißen, sonst weiss isch ja nicht, zu wem Sie wollen...".
Was ich damit sagen will, ist einfach. Wo ich auch beginne mit reden -und irgendwo muss ich ja anfangen- krieg` ich eine Klatsche. Und das ist nicht nur in diesem Hochhaus so.
Besonders auffällig ist diese Art unter den heutigen Christen verbreitet. Weil: die haben so viel verstanden, dass sie schon an deinem ersten Halbssatz sehen, dass du kein echter Christ sein kannst. Da kannst du sagen, was immer du willst, die Klatsche kommt gewiss.
Die ganz Schlauen haben dann ja auch ihre vorgefertigten Fragen; antworte da mal ehrlich und einfältig drauf, da bist du weg vom Fenster und wirst auch nie erfahren, warum!
Ja so ist das. Da sage jemand, Satan hätte unsere Gemeinden nicht fest im Griff.

Da wird ein Gedankenkonstrukt auf das andere gebaut und du sollst dann die Antwort auf irgendwelche selbsterfundenen Theologien erraten. Da springt man dir mit Bibelstellen ins Gesicht, die weder verstanden wurden noch so gemeint sind...

Es gab eine Zeit unter Christen, da war das nicht so. Das ist sehr lange her. Ich möchte euch deshalb von Blandina und ihren Geschwistern im Glauben erzählen. Wer Blandina ist?
Seht ihr, das ist es ja. Viele Christen zerren seit Jahren um ihre kirchlichen Aussagen und Thesen und verkünden mit harter Diktion ihre Weisheiten, die uns zu wahren Christen machen sollen. Aber wer Blandina ist und Pontikus, Biblis und Sanktus, Pothinus und Attalus und andere zehntausende Brüder und Schwestern im Glauben, das wissen sie oft garnicht.

Es sind unsere Vorbilder im Herrn aus der frühen Zeit des Christentums. Sie gaben ihr Leben für Christus, sie waren standhaft bis zum Tod. Sie standen in der Arena vor der johlende Masse als die Löwen auf sie gehetzt wurden. Sie wurden auf heiße Eisenplatten gesetzt, sie hingen kopfunter an Bäumen. Sie, nicht wir.
Wir reden nur drüber, wenn überhaupt.
Wer würde es wagen, diese Märtyrer mit hochmütigen Diskussionen über freien und unfreien Willen, mit trinitarischen und antitrinitarischen Zerrereien oder mit filigranen Diskussionen über Entrückung und anderen Rechnungen in die Zange zu nehmen?

Über das junge Mädchen Blandina lesen wir in der Kirchengeschichte des Eusebius:

Nachdem sie gegeißelt, den wilden Tieren vorgeworfen und geröstet worden war, steckte man sie zuletzt in ein Netz und warf sie einem Stier vor. Als sie vom Tiere wiederholt emporgeschleudert worden war, wofür sie infolge ihrer unerschütterlichen Hoffnung auf das, was sie glaubte, und infolge ihrer Verbindung mit Christus gar kein Empfinden mehr hatte, wurde auch sie getötet. Selbst die Heiden mussten zugeben, dass bei ihnen noch nie eine Frau so viele Qualen solcher Art erduldet hatte

Blandina - Lyon im Jahr 177


Wisst ihr, lernt doch erstmal weinen über so viel Leid; lernt doch erstmal fröhlich sein mit euren lebenden Geschwistern und dann erzählt uns was.

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