Kurzpredigten
Der Aber - Geist
oder: Die Bibel mit der Bibel ausstechen
(02.08.2008) von Peter Schreiber
In Diskussionen zwischen Christen höre ich immer wieder, wenn ein Argument oder eine Bibelstelle nicht gefällt: "Aber es steht doch in...dortunddort dasunddas geschrieben!" Die vom Andern zuvor
genannte Bibelstelle ist ganz Luft und wird auch weiterhin keines Gedankens gewürdigt.
Ganz offensichtlich erkennt man hieran, dass viele Christen nicht verstehen, dass sowohl das eine wie auch das andere in die Interpretation der Bibel einzubinden ist.
So wie ich es in meinem 25-jährigen Glaubensleben immer und immer wieder gehört habe, ist die "Aber"-Antwort schlichtweg ein Mißbrauch um sich nicht mit dem Inhalt des Gesprächs auseinandersetzen zu
müssen. Mir sind dabei zwei Aspekte aufgefallen:
Zum einen versteht so mancheiner die Intention Jesu nicht, als er dem Satan antwortet als der ihn provozierte.
Bist du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden. (Matth. 4, 3ff).
Jesus will es nicht tun und sagt dem Teufel die Bibelstelle "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." (5. Mose 8,3).
Bist du Gottes Sohn, so stürze dich hinab, heißt es dann vom Teufel weiter, der nun auch eine Schriftstelle benutzt, denn es steht geschrieben ´Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben; und sie
werden dich auf Händen tragen, damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.´ (Psalm 91,11.12).
Nein, Jesus will das nicht tun und pariert:" Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen." (5. Mose 6,16).
Er leitete ein mit:"Wiederum steht auch geschrieben", was bei so manchem Zeitgenossen den Gedanken weckt, dass Jesus lediglich eine kluge Gegenrede sucht - einfach um im Recht zu bleiben. Wo käme man
hin, wenn man seinem Widersacher eine Antwort schuldig bliebe.
Und genau hier beginnt das Missverständnis. Weil nämlich etliche genau das von Jesus denken - der Kluge, der nie um eine Antwort verlegen ist - laufen sie ihr Glaubensleben in ganz verkehrten Bahnen
und halten das dann noch für die Gabe des heiligen Geistes.
Gehen wir doch anschauungshalber zurück und kehren das ganze Gespräch mal um:
Jesus hatte also lange gefastet, ihn hungert, sagt die Schrift und Satan spräche zu ihm:
Dass du dir ja kein Brot machst durch die Kraft Gottes; da Gott alles erhält, wirst du wohl auch noch eine Weile aushalten
bis du wieder Nahrung bekommst. Aber Jesus sagt: Weiche von mir, denn alles ist dem möglich, der glaubt.
Und Satan würde in der Höhe der Tempelzinne sagen: Stürze dich ja nicht herab, denn dass hieße den Herrn versuchen. Tot würdest du unten ankommen. Doch Jesus würde sagen: Wieso nicht? Es steht doch
geschrieben: Er wird seinen Engeln Befehl geben und sie werden dich auf Händen tragen...
Dieses erfundene Zwiegespräch mag uns ganz kurios erscheinen; wir denken: Der Teufel würde doch nie das sagen.
Aber halt, es geht hier ums Prinzip.
Wer immer auch nur eine Sekunde denkt, Jesus spielt sich als der auf, der immer ein Gegenwort findet, der irrt.
Und zwar gewaltig. Jesus würde zum Satan sprechen: Recht hast du geredet.
Und genau hier sollte so manch ein Christ innerlich neu ansetzen. Was für einen Jesus habe ich als Herrn? Einen erfundenen, der nur das Ego schützt und ehrgeizig die Bibel benutzt; oder den wirklichen Jesus, der das biblische Recht im Sinne Gottes predigt.
Zum anderen ist die Schrift auch garnicht dazu da, innerbiblische Zerrereien zu forcieren. Das kommt erst, wenn der Widersacher sich in die Gemeinden setzt und dort das Wort führt, die Schriften
verdreht.
Leider gab es auch in der Kirchengeschichte immer wieder Stimmen von sogenannten Kirchenvätern, die lehrten, dass die Schrift eine Vielfalt von insichschlüssigen Auslegungsmöglichkeiten gewollt habe;
eine Meinung, die nur von Menschen kommt, die die Bibel und die Liebe Gottes nicht verstanden haben.
Ich gebe zu: es ist nicht immer sofort zu erkennen, wie der genaue Denkansatz liegen muß.
Doch lieber beten und in Frieden miteinander reden als immer dieses vermaledeite "Aber" vor jedem Satz. Denn die andere Bibelstelle steht da nunmal und hat gewiss einen Sinn. Und wenn ein Christ dem
Herrn sein ganzes Herz öffnet und ihn mit ganzer Seele liebt und ihm dienen will, wird der Geist Erkenntnis schenken.
Die Welt will doch schon täglich den Teufel mit Beelzebub austreiben; müssen wir dazu die Bibel mit der heiligen Schrift widerlegen?
Tags: Geist, Bibelstelle, Bibel, heilige Schrift, Beelzebub, Gottes Sohn, Teufel, Kirchengeschichte, Kirchenväter, Peter Schreiber, Aber


