Mr. Spock

Buchstabismus

 

bibelpoint:

Mr. Spock, Sie halten Sie vom Thema Buchstabismus?

Mr. Spock:

Da sprechen Sie ein sehr schwieriges Thema an; am Thema Buchstabismus scheitern oft tiefergehende Debatten. Oft wird der Vorwurf des Buchstabismus an Gläubige gemacht, die die Bibel ernstnehmen wollen und das dort Geschriebene als Realität und Autorität anerkennen. Man hält ihnen dann vor, nicht zu erkennen, dass die Bibel eigentlich oft etwas anderes meint.

 

bibelpoint:

Mr. Spock, Sie haben sicher ein Beispiel parat.

 

Mr. Spock:

Natürlich. In Offenbarung 21:4 lesen wir:

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;

Nun wird aber kein Mensch denken, dass Gott mit einem Taschentuch hingehen wird und die Tränen all dieser Menschen einzeln abwischt. Und wieso sollten alle diese Menschen zu derselben Zeit Tränen im Gesicht haben?

Wir haben es also mit einer Metapher zu tun, die uns das Ende des Leides und der damit verbundenen Tränen ankündigt.

 

bibelpoint:

So ein bisschen, als wenn Bibelgläubige das nicht unterscheiden könnten...

 

Mr. Spock:

Genau, denn imgrunde sollte es relativ leicht sein, Aussagen, die nur im übertragenen Sinn gemeint sind, von normalen Aussagen zu unterscheiden. Aber es kommen ja dann die verschiedenen Weltanschauungen dazwischen. Setzen wir die Existenz Gottes voraus, gibt es mit dem Bericht aus der Schöpfungsgeschichte kein Problem; weder mit Adam und Eva noch mit der Zeit von 7 Tagen. Sobald nun aber der Glaube an die Evolutionstheorie hineinspielt, entsteht sofort der Vorwurf, Bibelleser würden nicht erkennen, dass die Schöpfungsgeschichte lediglich als Mythos fungiert.

 

bibelpoint:

Gibt es denn so gefeierten Sieg der Wissenschaft wirklich?

 

Mr. Spock:

Ehrlich gesagt, nicht. Es wird auf diesem Gebiet gelogen, bis die Balken sich biegen und hinter den Kulissen laufen die seltsamsten Dinge ab. Und es gibt da ja noch das Phänomen, dass die Evolutionstheorie von den Leuten am vehementesten verteidigt wird, die sich am wenigsten damit eingehend beschäftigen. Da ist dann immer nur von den sogenannten "Knochenfunden" die Rede. Von tiefergehenden Wirkung und Ursache Betrachtungen ist dann da nichts zu spüren.

Wie wenig tief viele Menschen denken, sieht man schon allein daran, dass über den Schöpfungszeitraum von 7 Tagen gelacht wird. Es kann doch nicht so schwer sein, zu erkennen, dass für Gott diese Zeitspanne keine Hürde ist, da Gott außerhalb unseres Zeitgefühls agiert. Er kann ja letztlich jede zeitliche Begrenzung überwinden. Hieße es in der Bibel nicht 7 Tage sondern 7 Jahre, hätten die gleichen Leute das gleiche Problem. Bei 7000 Jahren werden sie ruhiger, obwohl es unlogisch ist. Gott ist kein Mensch, der überlegt und grübelt, wie die Schöpfung sein soll, während eine Uhr drängend tickt.

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bibelpoint:

Und selbst wenn das so wäre; die Bibel hat ja nicht behauptet, dass Gott vor der Schöpfung keine Zeit zum Nachdenken gehabt hätte.

 

Mr. Spock:

Stimmt auch. Auf jeden Fall wird von den Gläubigen in der Regel verlangt, die Bibel nicht wörtlich zu nehmen. Man bedient sich bei der Diskreditierung dann Sprachformen wie "Die nehmen die Bibel wortwörtlich", also mit der lächerlich wirkenden Dopplung wortwörtlich (statt wörtlich) oder "Die wollen die Bibel eins zu eins übernehmen." Indem man das sagt, unterstellt man listigerweise, dass dann der Glaube an Gott, der mit dem großen Taschentuch alle Tränen abwischt dazugehört oder sogar, dass Gläubige irgendwo die Bibel im Alten Testament aufschlagen und sofort unreflektiert das tun wollen, was dort steht. Und wir wissen ja alle, dass das ja im Alten Testament auch töten sein kann.

 

bibelpoint:

Was ist denn dann richtiger Buchstabismus und was falscher?

 

Mr. Spock:

Das lässt sich nur durch Geist beantworten. In der weltlichen Rechtsprechung oder in der Straßenverkehrsordnung würde kein Mensch Buchstabismus angreifen. In der Theologie ist es an der Tagesordnung. Ich meine, Gott würde nicht alles extra anders ausdrücken als es gemeint nicht. Aber was ich für sehr schlecht halte, ist, den Urtext der Bibel nicht zu beachten und einfach eine Übersetzung zur Hand zu nehmen und daraus eine hermetisch wasserdichte Lehre zu machen, nur weil dort und dort dies und das steht. Im Urtext steht das nämlich so garnicht. Diesen Fehler machen viele Kirchen.

Aber viele Christen fragen sich nicht, wozu es die Bibel eigentlich gibt, wenn wir immer nur rätseln sollen, was damit in Wirklichkeit gemeint ist. Antibuchstäbliche Auslegungen sind daher auch ein Ergebnis der geistlichen Konfrontation und Verweltlichung.

 

bibelpoint:

Aber sagt nicht selbst Paulus: Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig?

 

 

Mr. Spock:

Na ja, das ist ein ganz anderes Thema, darüber reden wir das nächste Mal. Es ist schon erstaunlich, dass große Teile der Christenheit diesen Vers heranziehen um zu implizieren, dass sich die Bibel mit diesem Satz selber außer Kraft setzen wollte...

 

 

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