Nadelstich
Der Kreis schließt sich
Kommentar von bibelpoint:
Man erntet nicht anderes als man gesät hat...
Schmelzende Alpen-Gletscher geben Umweltgifte frei
Schmelzende Gletscher in den Schweizer Alpen geben Umweltgifte frei, die über Jahrzehnte im Eis eingeschlossen waren und deren Anwendung schon längst verboten ist. Dies könne verheerende Konsequenzen für die unberührte Bergregion haben, warnten Schweizer Forscher in einer im Fachmagazin "Environmental Science and Technology" veröffentlichten Studie.
Ziehen sich die Gletscher aufgrund des Klimawandels weiter zurück, werden massiv Substanzen in die Umgebung getragen, die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte in den Eismassen ruhten, befürchten die Forscher Peter Schmid vom Materialforschungsinstitut Empa und Christian Bodgal von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).
Substanzen sind ausgesprochen langlebig
Darunter sind Stoffe, die seit Jahren verboten sind und die besser weiter unter Verschluss blieben. Viele POPs etwa wirken wie Hormone, sind krebserregend und stehen im Verdacht, die körperliche Entwicklung von Mensch und Tier zu beeinflussen. Oft sind die Substanzen ausgesprochen langlebig und können über die Atmosphäre über große Distanzen transportiert werden.
Schwer abbaubare organische Substanzen entdeckt
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler Sedimentschichten eines 1953 auf 2300 Metern Höhe angelegten Stausees in der Nähe des Grimselpasses. Dabei stießen sie auf eine Reihe schwer abbaubarer organischer Substanzen (POP), die sich dort während der vergangenen 60 Jahren ablagerten. Zu ihnen zählen beispielsweise Dioxine und Pestizide wie DDT.
Schadstoffmenge messbar gemacht
Im Winter 2006 wurden aus dem zugefrorenen See Sedimentbohrkerne von rund einem Meter Länge und sechs Zentimetern Durchmesser gezogen. "Wir haben einen der Bohrkerne dann in Scheiben geschnitten und gefriergetrocknet", erläuterte Schmid. Die Schichten im Bohrkern ließen sich wie Jahresringe von Bäumen lesen, Schicht für Schicht bis zurück ins Jahr 1953, als der Stausee angelegt wurde. Messbar war dadurch etwa, wie stark die eingelagerte Schadstoffmenge zurückging, als Anfang der 70er Jahre viele umweltgefährdende Stoffe verboten wurden.
Zunehmende Menge an Umweltgiften
In den Schichten der vergangenen zehn bis fünfzehn Jahre wurden dann aber wieder zunehmende Mengen von Umweltgiften nachgewiesen. Die Menge chlorhaltiger Chemikalien war in den Ringen von Ende der 90er Jahre an teilweise sogar höher als in den 60ern und 70ern. Als Ursache vermuten die Forscher, dass der See hauptsächlich vom Oberaargletscher gespeist wird. Dessen Zunge hat sich seit 1930 um 1,6 Kilometer zurückgezogen, allein in den vergangenen zehn Jahren schrumpfte er um mehr als 120 Meter - und gab dabei die im Eis gespeicherten toxischen Substanzen frei.


