Christentum und Sexualität

Irrtümer sexualfeindlicher Lehren

von Peter Schreiber

Ist Sexualität wirklich nur zum Kinderzeugen da?

Aus einer Darlegung der Hare Krishnas

Es gibt eine Reihe sexualfeindlicher Lehren in verschiedenen Religionen. So halte ich die Auffassung der Hare Krishna Bewegung für verfehlt und völlig an der Natur der Schöpfung vorbei.

 

Hauptpunkt sexualfeindlicher Lehren ist das Dogma, Sex sei nur zur Kinderzeugung da.


Quelle: http://www.iskcon-heidelberg.de/iskcon-heidelberg/dt/philosophie/prinzipien.php

 

Nun kann uns egal sein, warum sich die Mitglieder der Hare Krishna Bewegung so verhalten wollen und ihre von Gott gegebene Natur unterdrücken. Wenn es aus reinen freien Stücken mit dem innersten Wesen übereinstimmt, ist es ja wirklich gut. Wenn es aber auf ein zwangsweises Unterdrücken der von Gott gegebenen Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht hinausläuft, ist es falsch. Ohne inneren eigenen Wunsch nach zölibatärem Leben sitzt ein massiver Zwangs- und somit Vergewaltigungsmechanismus im Hintergrund.

Das ist faktisch immer dann der Fall, wenn der "Wunsch" nach Enthaltsamkeit erst in Folge einer Gehirnwäsche entsteht und sich selbst damit begründet (Erfüllung von Erlösungsgedanken wie z.B. zur Erreichung bestimmter "Bewusstseinsstufen", während er innerlich vom wahren Selbst nicht mitgetragen wird!

Nun kann aber jeder glauben was er will und soweit ich weiß, entscheidet sich fast jeder für die Religion, die ihm zusagt oder die seiner Vorfahren [statt auf der Suche nach Wahrheit zu sein].

Da die Hare Krishnas ja an einen Gott [bzw. Götterwelt] glauben, den es nach christlicher Erfahrung nicht gibt und Christen an einen Gott mit seiner Himmels- und Engelswelt glauben, von dem die Hare Krishnas sagen, dass es ihn (so) nicht gibt und letztlich den Gott der Bibel (und die Bibel) als eine Art Teufel darstellen, entzieht sich solcherart Glauben unserer Urteile.

Deshalb nur kurz:

Die Hare Krishnas sind der Überzeugung:

Verlangen nach Sex - Teil einer anerzogenen Natur

Quelle: www.harekrsna.de/erotisches-prinzip.htm

 

Hare Krishnas

[Durch den Prozeß der Abstraktion können wir nur zu negativen Ergebnissen kommen.] In unserem jetzigen gefallenen Zustand suggeriert uns Sexualität die Vorstellung von einer sinnlichen Unreinheit, weil unsere gegenwärtige Sichtweise selbst sinnlich ist. Dieses Gefühl von Unreinheit ist in Wahrheit nur die Auswirkung einer Nichtübereinstimmung jeder materiellen, begrenzten, unbewußten Substanz mit dem Wesen der Seele. Wir befinden uns mit dem Gegenstand unseres Denkens nicht auf derselben Ebene, sondern sind mit diesem auf höchst unnatürliche Weise verknüpft. Dieses Verlangen ist die Empfindung von Unreinheit und Abscheu. Solange wir weiterhin mit sehnsüchtigem Blick nach Sex Ausschau halten, können wir nicht anders davon denken. Aber dieses Verlangen ist auch Teil unserer gegenwärtigen anerzogenen Natur und wird uns nicht verlassen, bis wir in der Lage sein werden, diese zweite Natur abzulegen.

 

Peter Schreiber

Mit wirren Ausführungen wie eben gelesen verdrehen die Hare Krishnas letztlich die Grundsätze der gottgewollten biologischen Menschlichkeit und der schöpfungsinternen Gefühle.

 

(Natürlich fehlt auch in den Ausführungen der Hare Krishnas nicht der polemische Trick "Solange wir weiterhin mit sehnsüchtigem Blick [!] nach Sex Ausschau halten"; eine typische Methode, schon mit der Anwendung der Sprache alle Implizierungen zu nutzen, andere Ansichten gefühlsmäßig ins Unrecht zu setzen. Ein Trick, der immer wieder Erfolg hat.)

 

Denn der von Gott geschaffene Mensch empfindet ja gerade nicht, dass ihm "Sexualität die Vorstellung von einer sinnlichen Unreinheit suggeriert".

Diese verkehrte Prämisse der Hare Krishnas setzt ja voraus, dass wir innerlich Sex als etwas Unreines empfinden (wo das der Fall ist, dann doch gerade durch falsche Religionen und verklemmte Erziehung).

Also: Die Hare Krishnas sagen, dass unser gefallene Zustand die Ursache dafür ist, dass wir Sexualität als etwas Unreines empfinden.

Wieso sollte der gefallene Mensch so denken? Er ist ja grundsätzlich für (und nicht gegen) triebhaftes Leben.

Was wollen denn die Hare Krishnas letztlich sagen? Dass, wenn wir nicht "gefallene Menschen" wären, uns Sexualität als etwas Reines empfinden würden? Und jetzt -weil wir gefallene Menschen sind- als etwas Unreines?

Das stellt ja die Logik auf den Kopf.

 

Es würde ja auch bedeuten, dass man den Menschen die Freude an der körperlichen Liebe absprechen will, mit der Begründung, dass wir "gefallene Menschen" seien.

Wer soll da eine höhere Logik erkennen? Ist Sexualität Teil der "anerzogenen Natur", wie oben von den Hare Krishnas erklärt, wodurch soll das denn "anerzogen" sein? Das Liebesspiel als Geschenk Gottes für Mann und Frau ist ein Gedanke, den sexfeindliche Kräfte nicht dulden.

Die sexfeindlichen Irrgeister aus dem christlichen Bereich

Hinterhältiger und theologisch schwieriger sind die sexualfeindlichen Lehren aus den eigenen Reihen, also aus Kirchen und Sekten.

Als typisches Beispiel wollen wir hier den sexualfeindlichen Prediger Wolfgang Ruland nehmen.

In großen Lettern klärt er in Traktaten und im Internet die Christenheit auf und agiert dabei mit einer Halblogik, die all seinen Heftchen und Traktaten zu eigen sind.

 

Wir wollen das hier betrachten und mit der Bibel abgleichen:

Der Fall Ruland

Ich kenne Wolfgang Ruland seit ca. 20 Jahren als einen unexegetischen und in groben Brocken denkenden Menschen.

Achtung! Auf der hier angebenen URL ändert Ruland ständig als Reaktion auf Kritiken die Inhalte ohne dies kenntlich zu machen. Natürlich kann bibelpoint das nicht ständig prüfen und nacharbeiten!

Auf www.bekehrdich.de/kinderzeugung fällt Ruland wieder voll aus dem Rahmen und poltert los: Sex nur zur Kinderzeugung!

Ruland

Um es zuvor ganz klar zu sagen: Wenn du es kein Jahr aushältst
ohne Selbstbefriedigung oder ohne Sex mit einem Partner zu haben, dann bist du ein sex-süchtiger Mensch!

Die Begründung liegt für Ruland auf der Hand:

Ruland

Denn jede Sucht besteht darin, dass der Süchtige immer wieder etwas haben muss, was andere Menschen nicht haben müssen, z.B. muss ein Drogen-Süchtiger immer wieder seine Drogen haben, aber andere Menschen können prima ohne Drogen leben. Dasselbe gilt sinngemäß für Tabak-Süchtige und Alkohol-Süchtige. Und dasselbe gilt auch für Sex-Süchtige!

Peter Schreiber

Ach so ist das! Sexualität als körperliche Funktion zur erotischen Liebe und Kinderzeugung ist für Ruland direkt vergleichbar mit "Drogenkonsum". Während also ein Drogensüchtiger "immer wieder etwas haben muss", können andere Menschen "prima ohne Drogen leben".

Das sind willkürliche Vergleiche, die nicht geeignet sind, dieses Thema zu klären.

Als Gott das Menschenpaar geschaffen hat und gesagt: Seid fruchtbar und mehret euch! -1.Mose 1,22- hatte er ihnen ja einen natürlichen Drang gegeben, nämlich eine natürliche unwiderstehliche Anziehungskraft zwischen Mann und Frau. Dieses Geheimnis ist groß und ein Geschenk Gottes.

Wie dumm muss jemand sein, der dieses Gefühl mit einer unnatürlichen und ekelhaften Drogensucht vergleicht und daraus seine Schlüsse ziehen will! Und warum gleich alles durcheinander: Wenn du es "kein Jahr aushältst", und "Selbstbefriedigung" gehört laut Ruland gleich ins Thema rein und prompt in den ersten Satz.

Und: Imgrunde essen wir auch regelmäßig. Wie möchte Wolfgang Ruland das einordnen?

Um einem Missverständnis vorzubeugen:

Natürlich hat Gott die Sexualität beim Menschen so eingerichtet, dass sie beherrschbar sein soll; und natürlich gibt es auf diesem Gebiet Missbrauch und auch Sucht; aber das steht wieder auf einem ganz anderen Blatt. Es gibt ja auch Freßsucht! Da kann ich ja nun nicht gegen das normale essen predigen.

Was Ruland und Konsorten nicht bedenken (weil sie meistens überhaupt nicht tieferdenken:

 

Sie unterstellen den Bischöfen (also dem Ältestenkollegium) des Urchristentums ganz konkret "Sexsucht" und unterstellen Paulus, dies gerade für Bischöfe im  1. Brief an Timotheus auch noch explizit geregelt zu haben!!

 

1 Das ist gewißlich wahr: So jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt ein köstlich Werk. 2 Es soll aber ein Bischof unsträflich sein, eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittig, gastfrei, lehrhaft, 3 nicht ein Weinsäufer, nicht raufen, nicht unehrliche Hantierung treiben, sondern gelinde, nicht zänkisch, nicht geizig, 4 der seinem eigenen Hause wohl vorstehe, der gehorsame Kinder habe mit aller Ehrbarkeit ... (1. Timotheus 1, 1-4)

 

Wenn an den Thesen von Ruland & Co. auch nur ein Wort wahr wäre, dann behaupten diese Leute damit, dass Paulus "sexsüchtige" Christen ausdrücklich als Bischöfe vorschlägt  bzw. kommentarlos duldet und deren Ehe mit keiner Silbe brandmarkt (als habe er seine eigentliche Meinung "vergessen".

 

Es ist ja gerade Paulus, der im gleichen Brief weiter lehrt:

 

1 Der Geist aber sagt deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten und anhängen den verführerischen Geistern und dämonischen Lehren 2 durch die, so in Heuchelei Lügen reden und an ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind, 3 die da gebieten, nicht ehelich zu werden und zu meiden die Speisen, die Gott geschaffen hat zu nehmen mit Danksagung, den Gläubigen und denen, die die Wahrheit erkennen. 4 Denn alle Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, das mit Danksagung empfangen wird; 5 denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet. (1. Timotheus 4, 1-5)

 

Paulus würde nie von "dämonischen Lehren" reden,  "die da gebieten, nicht ehelich zu werden",

wenn er sich insgeheim über dieses "Verbot" freuen würde, weil er die Ehe als Notventil sexsüchtiger Christen bezeichnen würde.

Daran sehen wir, dass diese sexualfeindlichen Irrlehrer den Kontext paulinischer Aussagen völlig verkehrt herum aufarbeiten.

 

Denn der Paulus, der gesagt hat:

15 Etliche zwar predigen Christum auch aus Neid und Streit, etliche aber auch aus gutem Willen. 16 Diese aus Liebe, indem sie wissen, daß ich zur Verantwortung des Evangeliums gesetzt bin; 17 jene aus Streitsucht verkündigen Christum (O. den Christus) nicht lauter, indem sie meinen Banden Trübsal zu erwecken gedenken. 18 Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt ...

 

Also dem Paulus, der gesagt hat, dass ihm die Motivation eines Predigers nicht primär wichtig ist, wenn er denn Christus predigt, diesem Paulus wäre es doch egal, wenn Prediger das ehelichen verbieten ("Ist doch prima", müsste Paulus doch denken! Aber dass er selbst es "dämonische Lehren" nennt, spricht Bände!

 

 

Diese Irrlehrer denken, dass sie nicht mit den "dämonischen Lehren" gemeint sind, da sie ja nicht "verbieten", sondern nur massiv hetzen [mit dem Hintergrund, dass Sexualität eigentlich Sünde wäre ...]; allein in Gottes Augen wird es einst keinen Unterschied machen. Denn sie verunsichern -indem sie sich als Lehrer aufblasen [im Sinne, sie seien Gottes Sprecher auf Erden]- die einfältigen oder ungefestigten Gemüter und "verbieten" in dem Sinne schon!

Allein an diesen Beweisen sehen wir, in welchen Irrtümern sexualfeindliche Geister schwelgen und wie wertlos irgendwelche Zitate nachpaulinischer Irrlehrer sind.

 

Wenn schon Abweichler wie Justin von Ruland zitiert werden, dann wird man doch trotzdem fragen dürfen, was Ruland denkt, wie Justin es meint: Warum sagt Justin nicht: Wir Christen leben (eigentlich alle) im Zölibat, nur die, die leider noch nicht frei von der Sexsucht sind, heiraten (sozusagen "leider"...).

Warum sagt Justin nicht: Wir Christen leben (eigentlich alle im Zölibat, nur die, die leider noch nicht frei von der Sexsucht sind, heiraten (leider...).

Ruland:

Denn auch heute gibt es noch kerngesunde Eheleute, die Sex nur zur Kinderzeugung betreiben und jahrelang ohne Sex es prima aushalten können. Das war von Anfang an in der Christenheit auch so üblich, wie es der Märtyrer Justin (hingerichtet im Jahr 165) in seiner Ersten Apologie Kapitel 19 bezeugt: „Wir Christen heiraten nur zu dem Zweck, Kinder aufzuziehen, oder wir bleiben völlig enthaltsam!“

Peter Schreiber

Hier irrt Ruland. Denn schon Justin steht im Widerspruch zum Neuen Testament und gehört eigentlich zu der Riege der ersten Häretiker. Für Christen ist einzig die Bibel maßgeblich.

Besonders der Apostel Paulus, der selbst allerdings die Gabe der Ehelosigkeit besaß, äußert sich positiv zur regelmäßigen Sexualität in der Ehe für Christen, die nicht die Gabe zum Zölibat haben. Paulus zur Ehe

Enthaltsamkeit durch Doktrin?

Alle Bibelstellen zur Sexualität basieren auf der von Gott geschenkten Anziehungskraft zwischen Mann und Frau. Diese Anziehungskraft ist unwiderstehlicher Natur und kann nur durch Sehnsucht nach Zölibat -nicht aber durch eine Doktrin- umgangen werden.

 

In der Ehe ist die sexuelle Lust die Grundlage der Liebe. Ohne sie bleibt sie platonisch und geht über den Begriff der Freundschaft (bzw. Liebe im Sinne von Agape) nicht hinaus. Die Sexualität wird aus biblischer Sicht nicht lediglich vernunftsgemäß sporadisch benutzt, um ein Kind zu zeugen.

Wenn das so wäre, würde Gott uns nicht mit den lustempfindlichen Körperteilen ausgestattet haben, sondern hätte uns lediglich eine Möglichkeit zum Kinderzeugen in biologischer Hinsicht gegeben (mechanisches Befruchtungsritual vergleichbar mit Händeschütteln oder Urinieren oder Essen).

Die Auffassung, dass (täglicher oder regelmäßiger) Sex in der Ehe ein von Gott gespendetes Geschenk an die Menschen ist und mit dem seelischen Verbundensein gemeinsam eine Liebe bildet, ist die von der Bibel gestützte Haltung.