Prisma
Lessings Ringparabel 2
3 "gleiche" Ringe
Wie Lessings Ringparabel von christlichen und anderen Gruppierungen fehlinterpretiert wird
Eine Betrachtung von Peter Schreiber
Seit ich bibelgläubig wurde und allerlei Literatur für und gegen Christen studiere, Angriffe und Verteidigungen, kluge und dumme, kommt mir immer wieder die Ringparabel aus "Nathan der Weise" vor Augen; einerseits als Vorhaltung, nämlich dass Christen aus der Ringparabel lernen sollen, dass alle Religionen gleichberechtigt gut sind, teils als Verteidigung inform eines christlichen Traktates, in dem inbrünstig die Ringparabel als typisch antichristliches Machwerk verurteilt wird, weil sie den Anspruch der Bibel, die Wahrheit Gottes zu sein, ablehne.
Beide Gedankenlinien sind falsch.
Die Argumente haben in der Regel folgende Art:
Beispiel 1
Lessing, der das Stück "Nathan der Weise" im Geist der Aufklärung verfasste, wollte mit der Ringparabel darauf hinweisen, dass niemand weiß, welche der drei monotheistischen Religionen - Christentum,
Judentum, Islam - der Wahrheit entspricht. Während es einfach ist, zu verstehen, dass die drei Söhne in der Ringparabel Christentum, Judentum und Islam personifizieren, gibt es verschiedene Antworten
auf die Fragen nach dem Vater und dem Richter. Der Vater könnte für das Ideal einer einheitlichen Religion stehen. Im Richter sehen manche das Alter Ego des Autors, der dafür plädiert, dass Christen,
Juden und Muslime sich gegenseitig achten und ihre verschiedenen Glaubensauffassungen respektieren, also nicht den Anspruch erheben, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein.
http://www.dieterwunderlich.de/ringparabel.htm
Beispiel 2
Vor langer Zeit lebte ein Mann im Orient, der einen unglaublich wertvollen Ring besaß. Dieser Ring war nicht nur wunderschön, sondern hatte besondere Kräfte: Wer ihn trug und sich bemühte [Anm. bibelpoint: "und sich bemühte"?? Warum nicht so, wie es Lessing schrieb, nämlich, "wer in dieser Zuversicht ihn trug"!], Gott und den Menschen angenehm zu sein, dessen Wunsch [Anm. bibelpoint: Wie wärs mal mit Lesen des Textes? Wo steht denn der Blödsinn: "dessen Wunsch ging in Erfüllung"?] ging in Erfüllung.
Der Ring war schon seit Generationen vom Vater auf den Sohn weitervererbt worden - bis eines Tages ein Vater drei Söhne hatte. Der Vater liebte sie alle gleich; es gab keinen, den er lieber oder weniger lieb gehabt hätte, soviel er auch in seinem Herzen nachforschte [Anm. bibelpoint: Der Vater konnte sich nicht recht entscheiden und schwankte ständig zwischen den Söhnen hin und her; ein Fakt, der deutlichmacht, dass der Vater zwar in der Geschichte Gott darstellt aber nicht explizit charakterisiert! (Als ob sich Gott nicht entscheiden könnte, was er will... Damit zeigt Lessing an, dass dieser Teil als Rahmenerzählung im Raum steht und nicht etwa das Handeln Gottes zur Debatte stellt).
Eines Tages spürte der Vater, dass er bald sterben würde. Er war nun in furchtbarer Verlegenheit: Würde er den Ring einem seiner drei Söhne geben, wären die anderen zwei furchtbar gekränkt.
Was macht der Vater, um keinen seiner Söhne zu verletzen? Er schickt den Ring zu einem bedeutenden Künstler, damit ihm dieser zwei identische Kopien von ihm anfertige. Die drei Ringe sollten wirklich vollkommen gleich aussehen und beim besten Willen nicht zu unterscheiden sein.
Der Vater ruft also auf dem Totenbett jeden seiner Söhne einzeln zu sich und gibt jedem der Drei einen Ring. So weit, so gut.
Nach seinem Tod geht aber der Streit unter den Söhnen los: Alle drei können den Ring vorweisen, aber keiner der drei kann beweisen, dass seiner "der Echte" sei. "Lösung" Hört auf zu streiten!
Mit dem Ring ist "der rechte Glaube" gemeint. Es ist völlig wurscht, welcher der drei Söhne - Juden, Christen oder Moslems - nun den "echten Ring" besitzt! Wichtig ist nur, dass der Vater (Gott) seine Söhne alle gleich geliebt hat [Anm. bibelpoint: völlig am Text vorbei]. Also sollten sich auch die Söhne wie Brüder benehmen und nicht streiten. - Dasselbe gilt natürlich auch für Schwestern. ;-)
PS.... Der Ring sollte seinen Träger doch vor Gott und den Menschen angenehm machen, oder? Da sich die Brüder aber entsetzlich streiten, hat es den Anschein, als besäße keiner von ihnen den "echten" Ring (sondern alle drei Ringe sind demnach [Anm. bibelpoint: "demnach"?] "falsch").
Hätte einer von ihnen den "echten" Ring, dann hätte er eine so offensichtliche, freundliche, natürliche Autorität, dass sich ihm seine Brüder von sich aus beugen würden. [Anm. bibelpoint: woher der Unsinn?]
Der "echte" Ring ging vermutlich verloren, und der Vater ließ, um den Verlust zu ersetzen, gleich drei neue Ringe von dem Künstler anfertigen.
Keine der drei verwandten Religionen kann sich demzufolge [Anm. bibelpoint: "demzufolge"?] auf Gottes ausschließlichen Segen berufen. Und niemand hat die Wahrheit gepachtet , denn das, was man für
die "Wahrheit" hält, kann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sehr falsch und "unwahr" [Anm. bibelpoint: Wo wollte denn die Ringparabel diesen Blickwinkel aufzeigen?] sein!
http://www.lizzynet.de/dyn/24610.php
Beispiel 3
Ein Vater hat einen Ring, der dem Besitzer Glück und Hilfe Gottes bringt. [Anm. bibelpoint: völlig am Text vorbei!] Der Ring wird immer vom Vater an den liebsten Sohn weitergegeben. Dies funktioniert viele Generationen lang, doch eines Tages kann sich der Vater nicht entscheiden, welcher seiner drei Söhne ihm der liebste ist. Aus diesem Grund beschließt er zwei Duplikate machen zu lassen, um jedem Sohn einen Ring schenken zu können. Als die Söhne die Ringe erhalten beginnt der Streit, wer nun den richtigen Ring hätte. Diese Auseinandersetzung bringt sie sogar vor einen Richter, doch auch dieser sieht sich außerstande herauszufinden, welcher der Ringe der richtige sei. Er verweist die drei jungen Männer auf einen Richter (jüngstes Gericht), der einmal kommen und endgültig urteilen wird.
Die drei Ringe symbolisieren die drei Religionen und sollen zeigen, dass alle drei Glaubensrichtungen gleichwertig sind. Es gibt keine Religion die für alle die vollkommene wäre. Für Lessing sind die Religionen Gaben Gottes. Es ist daher müßig den echten Ring zu suchen und führt vom Zweck des Glaubens weg. Die Gabe Gottes soll nicht theoretisch geklärt werden, sondern praktisch gezeigt werden, denn nur in der Ausübung zeigt sich der wahre Gläubige.
Wirkung:
Das Stück wurde sehr unterschiedlich vom Publikum aufgenommen. Die Erstaufführung war ausverkauft, bei der zweiten Aufführung gab es auch noch viele Zuschauer, doch dann nahm die Besucherzahl sehr
rasch ab. Die Juden, auf die man als Publikum gehofft hatte, blieben zu Hause, weil sie zu bescheiden waren, um sich diese Apologie anzuhören. Es gab nur wenige denen Nathan behagte.
Viele standen aber dem Angriff gegen das Christentum [Anmerk. bibelpoint: Wo im Text ist ein Angriff aufs Christentum zu sehen??] positiv gegenüber, weil sie Lessings Mut bewunderten, denn er war der erste war, der Kritik an einer sehr mächtigen Religion äußerte. http://members.fortunecity.com/help4you/nathan_der_weise.htm
Beispiel 4
Die Aussage der Ringparabel ist eigentlich nichts anderes, als zu verdeutlichen, dass es prinzipiell gleich ist, welchen Ring welcher Sohn besitzt - da die Ringe identisch sind - so dass man auch
alle Ringe in einen Topf werfen könnte und jeder Sohn sich einen herausnähme und er nicht wüsste welcher seiner ist.
[Anm. bibelpoint: völlig an Nathans Vorgabe vorbei]
Hieraus folgt, dass es nicht darum geht, woran man glaubt, sondern das man glaubt [Anm. bibelpoint: "hieraus folgt"??]. Dies gilt auch für die drei Religionen.
Als Vertreter dieser über ideologischen Grenzen hinwegsehenden sittlichen Haltung wird der Jude Nathan dargestellt. Obwohl seine Familie von christlichen Kreuzrittern ausgerottet wurde, nimmt er -
anstatt Rache und Vergeltung zu fordern - die verwaiste Christin Recha als Tochter an. Durch sein Beispiel wird auch der Tempelritter zu vorurteilsfreier, von religiösen Differenzen unbefangener
Menschlichkeit geführt. Ihnen gegenüber stehen - als Negativbeispiele - die kleinliche, engstirnige Daja und der machtbesessene, intrigante Patriarch, der Züge Goezes trägt. Die idealistische Tendenz
des Stückes verurteilt ihr Handeln jedoch zur Wirkungslosigkeit. ...
Eine Aufführung erlebte das Stück zu Lebzeiten Lessings nicht. Lessing selbst äußerte sich skeptisch über die Wirkung des Stücks und die Möglichkeit, es an der deutschen Bühne aufzuführen. An seinem
Bruder Karl Gotthold schrieb er:
„Es kann wohl sein, dass Nathan im ganzen wenig Wirkung tun würde, wenn er auf das Theater käme, welches wohl nie geschehen wird. Genug, wenn er sich mit Interesse nur ließet, und unter tausend
Lesern nur einer daraus an der Evidenz und Allgemeinheit seiner Religion zweifeln lernt."
Heute gehört das Stück zum festen Repertoire deutscher Theater.
Zusammenfassend kann man jetzt wohl sagen, dass Lessing mit der Ringparabel das Problem, des Wahrheitsanspruchs der Religionen, sehr gut löst. Er drückt mit der Parabel aus, dass man nicht einfach
sagen kann, dass eine der drei Religionen besser sei, sondern, dass eine Gleichheit zwischen allen drei Religionen besteht, und man diese auch tolerieren muss. [Anm. bibelpoint: wie wärs mal mit dem
Lesen des Lessing-Textes?]
Mit dem stillen Aufruf zur Gleichheit war Lessing ein Vordenker in seiner Zeit der Aufklärung, wenn man bedenkt, dass zehn Jahre später die große Französische Revolution ausbrach, in der Gleichheit
zu einem der drei Schlagwörter gehörte. http://www.abipur.de/hausaufgaben/neu/detail/stat/110833606.html
Beispiel 5
Dichtung und Wahrheit lassen sich nicht zur Deckung bringen! 225 Jahre nach ihrer Schöpfung ist Gotthold Ephraim Lessings
„Ringparabel" aus seinem Drama „Nathan der Weise" endgültig an der Realität zerbrochen. Die Vision des großen Aufklärers, dass Juden, Christen und Moslems in gegenseitigem Respekt miteinander leben
könnten, ist an der Realität wohl endgültig gebrochen: Juden und Mohammedaner stehen seit Jahrzehnten im Krieg, Christen und Mohammedaner spätestens seit dem 11. September 2001 ebenfalls, und Juden
und Christen sind von einem harmonischen Miteinander weit entfernt.
Einst zählte dieses Paradestück der Bühnenkunst zur Pflichtlektüre im Deutschunterricht. Heute ist Lessing fast vergessen - zu Unrecht. Aber so recht Platz hat er in der zerrissenen Gegenwart nicht
mehr. Am 22. Januar 1729 als Pastorensohn in Kamenz in der Lausitz geboren, bekommt er den großen geistigen Streit seiner Zeit schon bald zu spüren: Leibniz und Wolff [Anm. bibelpoint: was
interessiert jetzt Leibnitz und Wolff, wir reden von Lessing] hatten die Vorherrschaft der Theologie bestritten und versucht, die Welt allein durch die autonome Vernunft zu begreifen, ohne allerdings
mit der Geschichte des Christentums und seiner Glaubensoffenbarung endgültig zu brechen.
...
Mit seinem Spätwert „Nathan der Weise", will er die starre Orthodoxie treffen [Anm. bibelpoint: wo steht das??]:
Der reiche Jude Nathan erfährt nach einer Geschäftsreise, dass ein junger Tempelherr, dem der Sultan Saladin wegen der Ähnlichkeit mit seinem Bruder das Leben geschenkt hat, seine Pflegetochter Recha
aus einem brennenden Haus gerettet hat. Dieser Tempelherr hat sich in Recha verliebt, will jedoch keinen Dank eines Juden annehmen, ihn nicht einmal besuchen. Sultan Saladin braucht für seine Kriege
Geld und will es von Nathan leihen. Des Sultans Frage, ob das Christentum, das Judentum oder des Islam die richtige Religion sei, beantwortet Nathan mit einer Parabel:
Ein Vater hatte drei Söhne gleich lieb und wusste nicht, welchem er einen wertvollen Ring, der den Träger vor Gott und den Menschen angenehm mache [Anm. bibelpoint: wo bleibt hier der Zusatz "wenn
dieser in Zuversicht ihn trüge"?], vererben solle. Er ließ zwei Kopien anfertigen und übergab jedem Sohn ohne Wissen der anderen ein Exemplar. Nach dem Tod des Vaters prahlten die Erben mit dem
Besitz des wunderbaren Kleinods, und einen Streit über die Echtheit des Ringes wollten sie vor einem Gericht austragen. Der Richter entließ die Kläger mit dem Rat, werktätige Liebe zu üben, die
allein vor Gott und den Menschen verdienstvoll sei. [Anm. bibelpoint: so ausgedünnt und verkürzt wird die ganze Ringparabel verfälscht!]
Im weiteren Verlauf des Dramas gelingt Lessing eine kunstvolle familiäre Verflechtung der Hauptpersonen Nathan, Saladin und Recha. Alle drei Religionen - so die Botschaft des Denkers - seien durch
Blutsverwandschaft verbunden.
Mit diesem Stück ist Lessing seiner Zeit weit voraus - obwohl vor ihm ähnliche Köpfe solche Gedanken geäußert hatten wie der Bremer Liederdichter Joachim Neander. In seinem Lied „Lobe den Herren"
fasst er mit der Zeile „Alles was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen" genau diesen Ansatz dichterisch zusammen. Juden, Christen und Moslems sollten sich zum Lobpreis Gottes vereinen.
Auch Lessing bezeichnet die drei monotheistischen Religionen als gleich wertvoll. Deshalb sei gegenseitige Toleranz notwendig, und ihre Wirksamkeit bleibt nach Lessing auf das Diesseits beschränkt,
auf werktätige Liebe. Der Unsterblichkeitsgedanke und Jenseitsglaube haben bei ihm keinen Platz. Eine neue Richtung seiner Zeit, die den Offenbarungscharakter der Religion bestreitet und einer
Vernunft- und Naturreligion das Wort redet, bezeichnet er als „Mistjauche der neumodischen Theologie". [Anm. bibelpoint: Was nun?? Also war Lessing nicht gegen die Religion mit Offenbarungscharakter,
sondern gegen Unwahrhaftigkeit.]
Herder schrieb an Lessing am 1. Juni 1779 nach Drucklegung des Dramas: „Ich sage Ihnen kein Lob über das Stück; das Werk lobt den Meister, und dies ist Manneswerk." Goethe, der „Nathan den Weisen"
sehr bewunderte, sprach den Wunsch aus: „Möge das darin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefühl der Nation heilig und wert bleiben!"
Trotzdem hat das Drama, hat auch die Ringparabel einen Kardinalfehler: Der beschriebene Ring und seine Kopien machen ihre Träger automatisch zu wertvollen Menschen, ohne dass es dabei auf ihre
Grundeinstellung ankäme. [Anm. bibelpoint: schwerer Denkfehler, Nathan nennt doch die Bedingung: Die Zuversicht, siehe oben]
Darauf geht der Philosoph Karl Jaspers im vorigen Jahrhundert ein: „Gott hat sich geschichtlich auf mehrfache Weise gezeigt und viele Wege zu sich geöffnet. Es ist, als ob die Gottheit durch die
Sprache der Universalgeschichte warne gegen den Anspruch der Ausschließlichkeit. Der Ausschließlichkeitsanspruch, dieses Mittel des Fanatismus, des menschlichen Hochmuts, Selbsttäuschung durch den
Machtwillen, dieses Unheil des Abendlandes erst recht in allen Säkularisierungen wie den dogmatischen Philosophien und sogenannten wissenschaftlichen Weltanschauungen, wird gerade dadurch
überwindbar, dass Gott sich auf mehrfache Weise gezeigt hat." [Anm. bibelpoint: Nathan redet aber vom echten Ring und den Kopien!]
http://www.mmanuskriptt.de/resources/Lessing$2C+Gottfried+Ephraim-Ringparabel.pdf
Beispiel 6
Aus einer Diplomarbeit · Auszüge
... Dies hat den einfachen Grund, dass Lessing im Bezug auf den Toleranzgedanken gegenüber anderen Religionen ein Vordenker seiner Zeit war. Es ist äußerst aufschlussreich, wie ein an der Theologie interessierter Schriftsteller das Zusammenleben der Religionen Judentum, Christentum und Islam vor ca. 250 Jahren gesehen hat. Die Sichtweise Lessings fasziniert seitdem viele Menschen bis in das jetzige Jahrhundert hinein. Die Ringparabel, die Lessing berühmt gemacht hat, gehört wohl mit zu den bekanntesten literarischen Werken der Neuzeit und fordert Theologen immer wieder heraus, sich mit ihrem Anspruch auseinanderzusetzen. In der neuen Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche findet man unter dem Begriff "Fragmentenstreit", den ich im Kapitel über die Biographie Lessings noch näher erläutern werde, einige Aussagen zu Lessing:
"Hier erinnerte der Dichter, z.T. aus solider Kenntnis der früheren Kirchenväter, die evangelische Theologie seiner Zeit an vergessene Wahrheiten und Prinzipien: [...] Entgegen der damaligen Überbetonung äußerlich-historischer Argumente zur Legitimation des Christentums setzte er auf dessen innere, der Vernunft einleuchtende und der Humanität förderliche Wahrheit. [...] Die wegweisende Bedeutung von Lessings Anregungen findet in der gegenwärtigen Theologie neues Interesse."
http://www.hausarbeiten.de/faecher/vorschau/25301.html
Sichtung der Fakten
Wir wollen nun aufzeigen, dass die Kommentare in Richtung "Ringparabel = Mahnung zur Toleranz" oder in Richtung "Aufgabe des Alleingültigkeitsanspruchs" völlig an Lessings Text vorbeigehen.
Zumindestens in der Frage der Intention Lessings Mahnung müssen große Abstriche gemacht werden.
Besonders wollen wir zeigen , dass viele Scribenten und Kommentatoren eine vorgefertigte "Wunschinterpretation" -die wohl irgendjemand in die Welt gesetzt hat- stützen und beweisen wollen, die von Lesssings Text nicht nur nicht gestützt, sondern direkt widerlegt werden.
Vorab: Diese Analyse will keineswegs zu interreligiöser Arroganz ermutigen. Sie will Lessings Gedanken wieder ins rechte Licht rücken!
Was direkt ins Auge sticht, ist der schnodderige Schnellschuß, der allenthalben praktiziert wird, indem sich der Gedanke festfrisst, es sei "völlig wurscht", welcher der drei Söhne - Juden, Christen oder Moslems - nun den ´echten Ring´ besitzt [Beispiel 2]. Schon die Wortwahl ("völlig wurscht") will den Leser mit Flachgeist und Augenzwinkern parteiisch stimmen, was ja ganz leicht ist, da genügend Vorarbeit geleistet wurde, Religionen oder eben die notwendigen interreligiösen geistigen Auseinandersetzungen lächerlich zu machen.
Dass die Abzielung auf die Diskreditierung interreligiöser Diskussionen wiederum sehr einfach ist, liegt auf der Hand, da sehr viele Menschen aufgewiegelt sind, zu behaupten, dass die interreligiösen Verschiedenheiten Ursache für Kriege und Elend auf der Welt seien.
Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, im Bereich der Philosophie oder der Politik verschiedene Strömungen und Auseinandersetzungen grundsätzlich zu verpönen.
Nur sehr wenige Menschen sind objektiv genug, zuzugeben, dass religiöse Unterschiede oder Abartigkeiten kein Beweis dafür sein können, dass alle Religionen falsch oder sinnlos sind oder gar, dass es
keinen Gott gibt, geschweige denn, dass wenn es Gott gibt, er dann automatisch der Menschheit nichts zu sagen hätte.
Das wäre so ähnlich, als wenn die Existenz von Falschgeld der Beweis dafür wäre, dass es echtes Geld nicht gibt; und weitergedacht: dass bei einer unüberblickbaren kriminellen Schwemme von Falschgeld der Gedanke berechtigt wäre, dass es echtes Geld nie gegeben hätte!
Oder das wäre so, als wenn immer, wenn mehrere Streitende gesehen werden, automatisch immer alle Beteiligtenschuld an dem Konflikt hätten. (Als ob es keine Störenfriede und Provokateure gäbe...)
Wenn man gleichzeitig nicht in Betracht zieht, dass alle Wahrheiten verfälscht werden können und es noch keine Idee gegeben hat, die nicht von einer Gruppe Dummköpfe verfälscht und lächerlich gemacht wurde, ist es nur logisch, dass alle Religionsgemeinschaften "über einen Kamm" geschoren und verpönt werden. Zumindestens wenn sie in ihren Aussagen auch nur einen Schritt darüber hinaus gehen, was dem nichtreligiösen Bürger einleuchtet.
Nur wenn man sich von den allgemeinen Vorurteilen freimacht, und sei es nur zeitweise zur objektiven Betrachtung von Lessings Nathan, kann ein exaktes Ergebnis erwartet werden.
Jetzt ist es aber nicht leicht, die jeweiligen Intentionen der Kommentatoren sofort herauszufinden.
So ist einem atheistischen Denker jedes mittel Recht, nachzuweisen, dass Religion Unsinn ist; so wird ihn kaum stören, wenn seine Argumente in keinem Zusammenhang mit den Quellen stehen, auf die er
sich beruft (kontextloses Zitieren, Widersprüche entdecken in etwas, womit er sich überhaupt nicht richtig auseinandergesetzt hat usw.).
Vor dem Hintergrund dieser Lage ist eine große Portion Anstand und Objektivität nötig, solche geistigen Werke wie "Nathan der Weise" nicht dazu zu missbrauchen, umhergeisternde Klischees zu bedienen.
Besonders das Mittel des Weglassens und Verkürzens wird immer wieder gebraucht und völlig unwidersprochen publiziert.
Gehen wir nun die typischen Beispiele wie mit einem Seziermesser durch:
Beginnen wir mit der Klarstellung der Fakten innerhalb Nathans Geschichte:
Vor grauen Jahren lebt' ein Mann in Osten,
Der einen Ring von unschätzbarem Wert
Aus lieber Hand besaß.
Merksatz 1
Nathan legt in seiner Geschichte fest, dass der Mann diesen Ring "besaß". Er deutet nicht an, dass der Mann lediglich annahm, einen solchen Ring zu besitzen.
Der Stein war ein Opal, der hundert schöne Farben spielte,
Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug.
Merksatz 2
Der Stein im Ring "hatte die geheime Kraft, vor Gott und Menschen angenehm zu machen..."
Die Fakten sind in die Erzählung hineindefiniert. Diese sind durch nachträgliche Gedanken nicht wegzudiskutieren. Beispiel: Wenn wir über die Aussagekraft des Märchens "Hänsel und Gretel" diskutieren
wollen, können wir ja auch nicht mittendrin die Rahmenerzählung leugnen oder gar sagen, dass es ja keine Hexe gäbe. Denn diese Angaben sind ja erzählungsintern festgelegt!
Merksatz 3
Die Wirkungskraft des Ringes ist an eine Bedingung geknüpft, nämlich:
"Wer in dieser Zuversicht ihn trug." Kaum einer der Kommentatoren beachtet diesen Satz. Folglich wird -ganz entgegen der gegebenen Fakten- die
Existenz des wahren Ringes infrage gestellt, statt darüber nachzudenken, ob diese Zuversicht nicht etwa verlorenging.
(Wo sollte sie denn auch herkommen, der Ring ist ja nur vererbt!
Biblisches Christentum aber wird im Gegensatz zur Volkskirchenangehörigkeit erfahren und durchdenkend verstanden.)
Gerade der Umstand der Zuversicht ist ja der Schlüssel des späteren richterlichen Rates.
weiterer Text zur Betrachtung:
(RICHTER:)
Denkt ihr, daß ich Rätsel
Zu lösen da bin? Oder harret ihr,
Bis daß der rechte Ring den Mund eröffne? -
Doch halt! Ich höre ja, der rechte Ring
Besitzt die Wunderkraft beliebt zu machen;
Vor Gott und Menschen angenehm. Das muß
Entscheiden! Denn die falschen Ringe werden
Doch das nicht können!
Merksatz 4
Der Richter fühlt sich nicht berufen, den Fall zu lösen und verweist letztlich auf die Wunderkraft. Er zieht das richtige Resümé, dass die falschen Ringe keine Wunderkraft haben und somit das erwartete Ergebnis ausbleiben muss.
- Nun: wen lieben zwei
Von Euch am meisten? - Macht, sagt an! Ihr schweigt?
Die Ringe wirken nur zurück? und nicht
Nach außen? Jeder liebt sich selber nur
Am meisten? - O, so seid ihr alle drei
Betrogene Betrüger! Eure Ringe
sind alle drei nicht echt. Der echte Ring
Vermutlich ging verloren. Den Verlust
zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
Die drei für einen machen.
Merksatz 5
Der Richter -und nicht Nathan oder Lessing- zieht den Fehlschluss, dass, weil bei allen drei Söhnen das Kennzeichen der Angenehmheit vor den Menschen fehlt, keiner der drei Ringe echt sein könne.
Er unterschlägt dabei zunächst den Umstand, dass es das Fehlen der Zuversicht sein könnte, was den Ring unerkennbar macht (siehe Merksatz 3).
Er akzeptiert den Inhalt der Geschichte nicht und deutet sie eigenmächtig um.
"Eure Ringe
sind alle drei nicht echt. Der echte Ring
Vermutlich ging verloren. Den Verlust
zu bergen, zu ersetzen, ließ der Vater
Die drei für einen machen."
oder später
"Möglich; daß der Vater nun
Die Tyrannei des einen Rings nicht länger
In seinem Haus hat dulden wollen!"
Diese Uminterpretation durch den Richter ist kein ausreichender Denkansatz, um Nathans Vorgaben (nämlich dass es den echten Ring gibt) zu leugnen.
Annehmbar ist aber auch der Gedanke, dass die Aussagen des Richters
eine pädagogisch - positive Provokation darstellen.
Um jedem der drei Brüder das Paradoxon zu verdeutlichen, das mit der Behauptung, man sei im Besitz des richtigen Ringes, im Raum steht, DA DAS MERKMAL FEHLT.
Merksatz 6
Der Richter gibt dem Gedanken, dass es diesen "Echten Ring" garnicht gäbe, keinen Raum; ganz im Gegenteil. Er geht lediglich soweit, vom Verlust des Ringes zu reden (Merksatz 5).
Er gibt zu, dass er seinen Gedanken in alle Richtungen freien Lauf gibt, indem er sich nicht scheut, Worte wie "vermutlich" und "möglich" zu verwenden
(Merksatz 5).
Das richterliche Resümé:
Wohlan!
Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
Merksatz 7
Der Richter macht das aus seiner Sicht Klügste! Er schiebt den "Schwarzen Peter" mild und liebevoll den drei Brüdern wieder zu mit der Auflage, doch zu zeigen, wie es mit der prophezeiten
Wunderkraft steht. Dieser Kunstkniff ist völlig korrekt und liegt logischerweise in der Natur der Sache - immerhin denken ja alle drei Brüder, mit diesem Wunder - Ring beschenkt zu sein.
Der Richter sagt zwar zu allen Dreien:
Es strebe von euch um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun...
Er sagt damit nicht, dass plötzlich alle drei Ringe echt werden! Die Formulierung "Die Kraft des Steins in seinem Ring´" will ja in keiner Weise sagen, dass der Richter dies voraussetzt. Er sagt lediglich, dass keine Entscheidung zu treffen ist, wenn sich nicht mindesten der Träger des echten Ringes Mühe gibt, die genannten Zeichen vorzuweisen. Da dieser unter den jetzigen Umständen ja nicht zu ermitteln ist, gibt es zu der
gewählten Sprachform (an alle drei) keine Alternative.
Vergleich mit dem Kleinen Muck
Vergleichen wir die Sachlage mit 3 Brüdern, die alle drei behaupten, sie hätten die Pantoffeln des Kleinen Muck geerbt. Was läge denn nun näher, als den Richter sagen zu lassen:
"Bisher habe ich euch nur langweilig rumschleichen gesehen. So lauft doch um die Wette, dann sehen wir weiter." Genau da liegt auch der Punkt bei der Ringparabel!
So lad' ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen. Geht! - So sagte der
Bescheidne Richter.
Merksatz 8
Der Richter -und somit auch Lessing- wollen die Entscheidung darüber, wer der Träger des echten Ringes ist, auf einen späteren Zeitpunkt verlegen. Sämtliche Aussagen Lessings sind außerordentlich
ernsthaft, ohne jede Ironie und zeugen von einer hohen persönlichen Reife. Diese Sicht [Lessings] ist nicht theologisch gemeint, sondern lediglich als Resümé des Sachlage. Denn auch die etablierten
christlichen Kirchen zu Lessings Zeiten hatten sich durch ihr Auftreten selbst disqualifiziert. Dass Lessing als Nichtchrist seine Sicht hat, ist ihm in keiner Weise zum Vorwurf zu machen.
Dass er wider bessres Wissen nicht sagt, dass es außer den etablierten Religionsgruppen auch noch andere Christen gibt (ähnlich ist es auch bei den Juden und Moslems), kann als Schwäche der
Ringparabel gesehen werden, muss aber nicht, da Lessing ja nicht verschiedene Themen
hier gleichzeitig verarbeiten wollte. Eine Relevanz zur Frage, ob es nun egal sei, wer den richtigen Ring trägt, besteht diesbezüglich nicht, da dieser Gedanke der Ringparabel nicht innewohnt, wie
wir sehen.
Aber:
Wer immer die Ringparabel heranzitiert, um schlechthin gegen "die Christen", "die Moslems" oder "die Juden" zu argumentieren, ist undifferenziert, ungerecht und hat die Ringparabel nicht mal
grobinhaltlich verstanden. Hier ist es unumgänglich, historisch - wissenschaftlich zu unterscheiden. Vergessen wir nicht, wie viele Christen durch die Kirchen [sic!] umgebracht wurden! (Auch durch
nichtkatholische...)
Eine argumentative Nutzung der Ringparabel durch atheistische Kreise ist völlig verfehlt, weil das ganz offensichtlich an Lessings Intention vorbeizielt.
Merksatz 9
Ein Angriff der Ringparabel explizit aufs Christentum ist an keiner Stelle zu sehen. Alle diesbezüglichen Kommentare sind völlig willkürlich, wie der Text zeigt.
Vergleichen wir nun die Merksätze mit den üblichen Vorhaltungen:
Betrachten wir doch Elemente der üblichen Vorhalte noch einmal:
Zu Beispiel 1
Lessing, der das Stück "Nathan der Weise" im Geist der Aufklärung verfasste, wollte mit der Ringparabel darauf hinweisen, dass niemand weiß, welche der drei monotheistischen Religionen - Christentum,
Judentum, Islam - der Wahrheit entspricht. Während es einfach ist, zu verstehen, dass die drei Söhne in der Ringparabel Christentum, Judentum und Islam personifizieren, gibt es verschiedene Antworten
auf die Fragen nach dem Vater und dem Richter. Der Vater könnte für das Ideal einer einheitlichen Religion stehen. Im Richter sehen manche das Alter Ego des Autors, der dafür plädiert, dass Christen,
Juden und Muslime sich gegenseitig achten und ihre verschiedenen Glaubensauffassungen respektieren, also nicht den Anspruch erheben, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein.
• Schon am Beispiel 1 sehen wir, dass der Autor sich das Leben sehr einfach macht und den Lessing´schen Text völlig aus den Augen verliert. Fast alle der aufgestellten Merksätze laufen hier ins
Leere.
• Wie in vielen Publikationen wird auch hier mit dem Trick gearbeitet, Zusammenhänge zu schaffen, die keine sind.
So fordert er von Christen [unbedingt zuerst genannt!] Juden und Muslimen:
• "sich gegenseitig achten und ihre verschiedenen Glaubensauffassungen respektieren, also nicht den Anspruch erheben, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein." Wieso "also"?
Leider erkennen viele Leser den Trick nicht! Denn Gläubige könnten sehr gut andere Glaubensauffassungen tolerieren ohne den eigenen Anspruch aufzugeben. Dass das einige etablierte Kirchen nicht getan
haben, genau wie manche Juden und Moslems, und Menschen verfolgt und getötet haben, ist ja kein Argument dafür, dass es nicht geht.
Wir dürfen nicht den Unterschied zwischen akzeptieren, tolerieren und respektieren vernebeln!
Im übrigen gibt es keine Religion, die nicht letztlich vorgibt, die Lehrerin der Menschheit zu sein. So ist auch die gewaltsam durchgesetzte Meinung, dass es keine Meinung geben dürfe, die sich auf
"Wahrheit" beruft, eine diktatorische Meinung, also eine Art "Es - Darf - Keine - Wahrheit - Geben" - Faschismus. Denn ob es eine alleinige Wahrheit gibt und wenn ja, welche, liegt doch allein an
Gott.
Tötet Schneewittchen!
Satan verführt die Menschheit zum "Tötet Schneewittchen" - Komplex, indem er Schneewittchen dafür verantwortlich machen will, dass es diesen Spiegel der Wahrheit gibt. Dabei kann ja gerade Schneewittchen nichts für die Aktionen der bösen Stiefmutter. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn plötzlich viele Frauen lügen und behaupten würden, Schneewittchen zu sein.
Nach der heutigen "Logik" wäre die Folge, nunmehr jede Frau, die vorgibt Schneewittchen zu sein, zu ächten. Also auch Schneewittchen selbst!
Nach Lessings Logik würde weiterhin feststehen, dass es Schneewittchen gibt. Nur weiss eben momentan niemand, wo sie ist. Jeder Aufruf zur Mäßigung und Bescheidenheit untereinander würde hier weder
die Existenz Schneewittchens [auch nicht des Spiegels] leugnen wollen noch andere
Frauen als Menschen oder Bürger diskreditieren.
Zu Beispiel 2
• Dieses Beispiel fällt durch außerordentliche Ungenauigkeit, Wunschdenken und Flachheit auf. Wir erinnern uns:
Vor langer Zeit lebte ein Mann im Orient, der einen unglaublich wertvollen Ring besaß. Dieser Ring war nicht nur wunderschön, sondern hatte besondere Kräfte: Wer ihn trug und sich bemühte [Anm.
bibelpoint: "und sich bemühte"?? Warum nicht so, wie es Lessing schrieb, nämlich, "wer in dieser Zuversicht ihn trug"!], Gott und den Menschen angenehm zu sein, dessen Wunsch ging in Erfüllung. [Anm.
bibelpoint: Wie wärs mal mit Lesen des Textes? Wo steht denn der Blödsinn: "dessen Wunsch ging in Erfüllung"?]
...
Lösung! [Anm. bibelpoint: Lösung für was?]
Hört auf zu streiten! [Anm. bibelpoint: Gut, dann hört doch endlich auf]
Es ist völlig wurscht, welcher der drei Söhne - Juden, Christen oder Moslems - nun den "echten Ring" besitzt! Wichtig ist nur, dass der Vater (Gott) seine Söhne alle gleich geliebt hat [Anm.
bibelpoint: völlig am Text vorbei]. Also sollten sich auch die Söhne wie Brüder benehmen und nicht streiten. (sondern alle drei Ringe sind demnach [Anm. bibelpoint: "demnach"?] "falsch").
...
Hätte einer von ihnen den "echten" Ring, dann hätte er eine so offensichtliche, freundliche, natürliche Autorität, dass sich ihm seine Brüder von sich aus beugen würden. [Anm. bibelpoint: woher der
Unsinn?]
Der "echte" Ring ging vermutlich verloren, und der Vater ließ, um den Verlust zu ersetzen, gleich drei neue Ringe von dem Künstler anfertigen.
...
Keine der drei verwandten Religionen kann sich demzufolge [Anm. bibelpoint: "demzufolge"?] auf Gottes ausschließlichen Segen berufen. Und niemand hat die Wahrheit gepachtet , denn das, was man für
die "Wahrheit" hält, kann aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, sehr falsch und "unwahr" sein.
• Das sind einfach nur die Sprüche für eine Religion der Beliebigkeit ohne geistige Auseinandersetzungen. Ganz im Widerspruch zu Lessings Vorgabe wird hier die Existenz des echten Ringes
grundsätzlich infrage gestellt; deshalb auch das Mittel, die Anführungszeichen nur bei dem Wort "echt" zu setzen; also nicht: Der "echte Ring", sondern: Der "echte" Ring. Man beachte auch das
obligatorisch dümmliche: "Lösung! Hört auf zu streiten!"
(siehe hierzu auch nochmals "Sichtung der Fakten")
Zu Beispiel 3
• Es ist erstaunlich, wieviel Phantasie entwickelt wird, um Lessings Nathan zu diskreditieren! Man weiss garnicht, wo man anfangen soll, Fragezeichen zu setzen... Tipp: "Nathan der Weise" einfach
noch mal lesen.
Ein Vater hat einen Ring, der dem Besitzer Glück und Hilfe Gottes bringt. [Anm. bibelpoint: völlig am Text vorbei!] Die drei Ringe symbolisieren die drei Religionen und sollen zeigen, dass alle
drei Glaubensrichtungen gleichwertig sind. Es gibt keine Religion die für alle die vollkommene wäre. Für Lessing sind die Religionen Gaben Gottes. Es ist daher müßig den echten Ring zu suchen und
führt vom Zweck des Glaubens weg. Die Gabe Gottes soll nicht theoretisch geklärt werden, sondern praktisch gezeigt werden, denn nur in der Ausübung zeigt sich der wahre Gläubig
• Auch weiterhin: völliger Missbrauch des Textes; plötzlich wird schon von einem "Angriff auf das Christentum" geredet.
...Es gab nur wenige denen Nathan behagte. Viele standen aber dem Angriff gegen das Christentum [Anmerk. bibelpoint: Wo im Text ist ein Angriff aufs Christentum zu sehen??] positiv gegenüber, weil sie Lessings Mut bewunderten, denn er war der erste war, der Kritik an einer sehr mächtigen Religion äußerte.
Zu Beispiel 4
• Schade, dass für diese Plattitüden Lessings Nathan verfälscht wird. Tipp: Einfach nochmal den Originaltext lesen.
Die Aussage der Ringparabel ist eigentlich nichts anderes, als zu verdeutlichen, dass es prinzipiell gleich ist, welchen Ring welcher Sohn besitzt - da die Ringe identisch sind - so dass man auch
alle Ringe in einen Topf werfen könnte und jeder Sohn sich einen herausnähme und er nicht wüsste welcher seiner ist. [Anm. bibelpoint: völlig an Nathans Vorgabe vorbei]
Hieraus folgt, dass es nicht darum geht, woran man glaubt, sondern das man glaubt [Anm. bibelpoint: "hieraus folgt"??]. Dies gilt auch für die drei Religionen.
...
Zusammenfassend kann man jetzt wohl sagen, dass Lessing mit der Ringparabel das Problem, des Wahrheitsanspruchs der Religionen, sehr gut löst. Er drückt mit der Parabel aus, dass man nicht einfach
sagen kann, dass eine der drei Religionen besser sei, sondern, dass eine Gleichheit zwischen allen drei Religionen besteht, und man diese auch tolerieren muss. [Anm. bibelpoint: wie wärs mal mit dem
Lesen des Lessing - Textes?]
Mit dem stillen Aufruf zur Gleichheit war Lessing ein Vordenker in seiner Zeit ...
Zu Beispiel 5
• Schade, wieder diese unkorrekte Flachheit: Das erinnert etwas an die Presse, wenn sie Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit mittels Falsch- und Halbzitaten diskreditiert (z.B. Eva Herman 2007,
Wolfgang Clement 2008)
Des Sultans Frage, ob das Christentum, das Judentum oder des Islam die richtige Religion sei, beantwortet Nathan mit einer Parabel:
Ein Vater hatte drei Söhne gleich lieb und wusste nicht, welchem er einen wertvollen Ring, der den Träger vor
Gott und den Menschen angenehm mache vererben solle.
[Anm. bibelpoint: wo bleibt hier der Zusatz "wenn dieser in Zuversicht ihn trüge"?]
...
Der Richter entließ die Kläger mit dem Rat, werktätige Liebe zu üben, die allein vor Gott und den Menschen verdienstvoll sei. [Anm. bibelpoint: so ausgedünnt und verkürzt wird die ganze Ringparabel
verfälscht!]
• Wo kann man denn diese folgenden Behauptungen nachlesen? Auch scheint der Autor garnicht zu merken, dass er sich hier ein Eigentor setzt. Irgendwie fehlt vor dem letzten Satz ein "Allerdings". Dies
würde Klarheit schaffen, aber die scheint ja keiner mehr zu wollen!
Auch Lessing bezeichnet die drei monotheistischen Religionen als gleich wertvoll. Deshalb sei gegenseitige Toleranz notwendig, und ihre Wirksamkeit bleibt nach Lessing auf das Diesseits beschränkt,
auf werktätige Liebe. Der Unsterblichkeitsgedanke und Jenseitsglaube haben bei ihm keinen Platz. [Anm. bibelpoint: Allerdings:] Eine neue Richtung seiner Zeit, die den Offenbarungscharakter der
Religion bestreitet und einer Vernunft- und Naturreligion das Wort redet, bezeichnet er als „Mistjauche der neumodischen Theologie". [Anm. bibelpoint: Was nun?? Also war Lessing nicht gegen die
Religion mit Offenbarungscharakter, sondern gegen Unwahrhaftigkeit]
Trotzdem hat das Drama, hat auch die Ringparabel einen Kardinalfehler: Der beschriebene Ring und seine Kopien machen ihre Träger automatisch zu wertvollen Menschen, ohne dass es dabei auf ihre
Grundeinstellung ankäme. [Anm. bibelpoint: schwerer Denkfehler, Nathan nennt doch die Bedingung: Die Zuversicht, siehe oben]
Darauf geht der Philosoph Karl Jaspers im vorigen Jahrhundert ein: „Gott hat sich geschichtlich auf mehrfache Weise gezeigt und viele Wege zu sich geöffnet. Es ist, als ob die Gottheit durch die
Sprache der Universalgeschichte warne gegen den Anspruch der Ausschließlichkeit. Der Ausschließlichkeitsanspruch, dieses Mittel des Fanatismus, des menschlichen Hochmuts, Selbsttäuschung durch den
Machtwillen, dieses Unheil des Abendlandes erst recht in allen Säkularisierungen wie den dogmatischen Philosophien und sogenannten wissenschaftlichen Weltanschauungen, wird gerade dadurch
überwindbar, dass Gott sich auf mehrfache Weise gezeigt hat." [Anm. bibelpoint: Nathan redet aber vom echten Ring und den Kopien!]
• Der Ring macht ihre Träger "automatisch" zu wertvollen Menschen?? Aus welcher Textstelle soll das denn hervorgehen? Also langsam wird es peinlich. Wir erinnern uns:
Und hatte die geheime Kraft, vor Gott
Und Menschen angenehm zu machen, wer
In dieser Zuversicht ihn trug. [!]
Summa summarum sehe ich überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Lessings Nathan und den so gern dort hineininterpretierten Behauptungen und Anschuldigungen.
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